Mittwoch, 30. August 2017

Renditebau

Grußformel: Bonjour, hello, guten Tag. Wer spricht: Spracharbeiterin. Was? Fran­zö­sisch, Deutsch, Englisch (passiv). Wo: Dort, wo mei­ne Kunden mich brau­chen.

Manche Texte hier kommen kaum über die Konzeptform hinaus. Vor allem dann, wenn die Zeit knapp ist. Mein Blog = Ort des Nachdenkens über Sprache.

Aus der Baugeschichte, Stichwort Paris, Baron Haussmann, kenne ich das Wort mai­son de rap­port oder immeuble de rapport für Mietshaus. Auf Französisch steht allerdings der "Ertrag" etwas mehr im Vordergrund, ein My mehr als im Deutschen ([myː], altgriechisches Neutrum μῦ für Millionstel). Und dieses Haus, la maison, oder das Gebäude, l'immeuble, ist eher ein kühler Bau, aufs Wesentliche re­du­ziert. Ich fand "Renditebau" und war's zufrieden.

Hausfassade mit Balkon.
"Gläsernes Haus"
Dumm nur, dass neu­lich je­mand, der es ganz genau zu wissen meinte, aus maison de rapport ein Bordell gemacht hat ... wegen der Nähe zu rap­ports sexuels, wie die Begegnungen der Ge­schlech­ter auch genannt werden.
Es war auf einer in­ter­na­tio­na­len Konferenz. Mehr sag ich nicht, keine Zeit, das hier ist nur das Konzept eines Blog­ein­trags.

Und eher lustig denn traurig, dass mir dieser Fehler schon zum zweitem Mal be­geg­net ist: klick.

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Foto: C.E. (Filmstudio Babelsberg)

Montag, 28. August 2017

Stereotypen

Bienvenue! Absichtlich oder zufällig blättern Sie in meinem digitalen Arbeits­jour­nal. Hier berichte ich aus dem Alltag meiner Beschäftigung mit Sprachen. Ich dol­metsche aus dem Französischen und Englischen sowie in die französische Sprache.

Eine alte Dame aus der Nachbarschaft hat mich neulich zu sich reingebeten. Wir haben ein Nick-Grußver­hältnis, ich kannte ihren Namen nicht. Wir kamen zeit­gleich vom Markt zurück, und für den Folgetag war ich dann prompt zum Kaf­fee ver­ab­re­det. Ich brachte Blumen mit. Sie müsse mir etwas zeigen, hatte sie noch gesagt.

Woher sie weiß, dass ich mit Sprachen arbeite, weiß ich nicht. Als ich ankam, war der Tisch mit weißem Damast gedeckt, und eine Vase stand schon bereit. Neben dem einen Kuchenteller lag ein Stapel Bücher: fremdsprachige Werke, Sprach­kur­se und Reclam-Heftchen. Die Bücher seien von ihrem Gatten, sagt sie, und dass ich mitnehmen dürfe, was ich möchte. Der Nachmittag war über die Bücher hinaus auch spannend.

Der Englischsprachkurs liest sich wie ein Sitten­gemälde. Mir fielen vor allem das unironisch vorgetragene Geschlechterverhältnis auf. Eher einseitig, diese Ste­re­o­­typen; heute nicht mehr politisch korrekt. Naja, heute werden Fuß­ball­spiele ja auch nicht mehr monoral übertragen.

– Robert! – Yes, darling. – Must you listen that match? – Yes, I must, because I have ... – No, you needn't. Turn it off. – But it's interesting, isn't it? – No, it is not. Not for us. We are women.

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Illustration: TR-Verlagsunion, Name des Ur-
hebers nicht genannt, grafisch aufgearbeitet

Sonntag, 27. August 2017

Kundenvielfalt

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Mein Beruf ist einer der spannendsten der Welt, denn ich habe mit allen Ge­sell­schafts­schich­ten zu tun. Sonntagsbild!
 
Es ist unser vornehmster Auftrag, allen Menschen, die unsere Hilfe brauchen, sprach­lich beizustehen. Mit anderen Worten: Dolmetscher haben eine große Kun­den­viel­falt. Wir dol­met­schen für sehr unterschiedliche Kreise.

Kunde ohne blauem oder weißem Kragen
Dabei haben auch wir Grundsätze: Nie für Extremisten, alle müssen mit den Füßen auf dem Boden des Grund­ge­set­zes und der Menschenrechte stehen. Wobei ich mir bei einigen obersten Fi­nanz­"tech­ni­kern", die dafür sor­gen, dass ganz be­stimm­te Grup­pen ihre Steuern nicht mehr zahlen, son­dern ihre "Pflich­ten" auf exo­ti­sche In­seln ver­lagern, nicht sicher bin, ob diese wirklich auf dem Boden der Ver­fas­sung ste­hen. (Ich bin froh, dass diese "Tech­niker" nie unsere Dienst­leis­tun­gen nachge­fragt haben. Ich weiß nicht, ob ich für diese arbeiten würde.)
Bei anderen Dolmetschinteressenten weiß ich definitiv, dass sie von den Diensten be­­ob­­ach­tet wer­den.

Das ficht mich aber nicht an. Denn dabei handelt es sich um Vertreter der Zi­vil­ge­sell­schaft und gewählte Volks­ver­treter, z.B. das Bündnis "Aufstehen gegen Ras­sis­mus" (AgR), das Vertreter einer Re­gie­rungs­par­tei unterstützen, darunter Manuela Schwesig (SPD) sowie Vertreter der parlamentarischen Opposition wie Cem Öz­de­mir (Grüne).

Ich dekons­pi­riere hier, spreche die Lage offen an. So habe ich es als kritische West­ju­gend­li­che in der DDR ge­lernt. Hier habe ich keine Geheimnisse. Wir Dol­met­scher sind für die Verständigung ausgebildet und arbeiten, sofern alles rech­tens ist und der Demokratie dient.

Noch eine Gruppe, die mich nie angefragt hat, sind offizielle Stellen, die unlängst dadurch aufgefallen sind, dass sie gewisse Ermittlungsinformationen, die er­wie­sene, militante Staatsfeinde angehen, 120 Jahre unter Verschluss halten möchten (nicht nur der SPIEGEL berichtete).

Die Kundenvielfalt ist positiv. Einmal habe ich mit Streetworkern aus dem Pariser Vorort zwei Nächte lang in Neukölln obdachlose Jugendliche aufgesucht, ein an­de­res Mal mit belgischen Sozialarbeitern ein Haus der Treber­hilfe besichtigt. Wir Dol­­met­­scher leihen unsere Stimmen auch Menschen auf Konfe­renzen, die von Ge­flüch­te­ten selbst organisiert werden. Oder aber wir kommen im Rahmen von Aus­stiegs­pro­gram­men junger Drogenabhängiger zum Einsatz.

Nicht immer werden wir hier für unsere Arbeit bezahlt. Mancher Veranstalter kann auch ohne große Finanzierung für seinen Kongress, sein Seminar oder Panel au­ßer­halb der Hauptsaison mit ehrenamtlichen Spracharbeitern rechnen, wenn der Ta­gungs­zweck dem politischen und sozialen Diskurs der Zivilgesellschaft dient. Manch­mal be­kom­men wir nur Reisekosten und Spesen ge­zahlt.

Diese Einsätze folgen einer vierfachen Logik. Erstens hat die Allgemeinheit die Hochschulen finanziert, an denen wir studiert haben. Wir geben also zurück. Dann kann es nicht schaden, in der langen Sommerpause mal ein wenig die Neu­ro­nen durchschütteln zu gehen. Der Nachwuchs erwirbt sich Routine; wir Erfahreneren bauen eine weitere Sprache auf. Und schließlich dient auch jeder noch so kleine Einsatz der Fortbildung.

So konnte passieren, dass ich einst nach besagtem Job mit obdachlosen Ju­gend­li­chen zu Beginn einer Woche gegen Ende der nämlichen Woche im Kanzleramt zum gleichen Thema für Abgeordnete, Staatssekretäre und Minister ge­dol­metscht ha­be. In der Kaf­fee­pau­se bestätigte sich meine Befürchtung: Ich war die Einzige mit (auch noch so winziger) "Terrainkenntnis".

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Foto: C.E.

Samstag, 26. August 2017

Rechtsstaat

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Der Samstag gehört (leider in letzter Zeit immer weniger*) dem Link der Woche.

Frau mit Rokokomaske
Im Jardin du Luxembourg
Mein aktueller Lesetipp: Heribert Prantl in der Süd­deut­schen Zeitung. Kernsatz: "Der Terrorismus hat das rechtsstaatliche Denken besetzt.


* ... es gibt einfach zu viel derzeit, das auf den Nägeln brennt.
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Foto: C.E. (Archiv)

Freitag, 25. August 2017

Die Perle

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch und Nachdenken über Wörter.

Eine Nachwuchskollegin funkt mich an: Hättest Du Zeit, mal kurz drauf­zu­schau­en? Kann ich schreiben "Für 50 Euro mehr wäre noch ein externes Lesen mit­drin­ne (vier-Augen-Prinzip)?"

Ich schlage vor: "Für zusätzliche 60 Euro wäre ein externes Korrektorat [re­lec­tu­res] inbegriffen (Vier-Augen-Prinzip)." Und ergänze: Bei mit Bindestrich "durch­ge­kop­pel­ten" Nomen gelten alle Bestandteile als ein langes Substantiv, daher wird gleich das erste Wort schon groß geschrieben. Und wo ich schon mal dabei bin: Bitte nie "mitin­begriffen" sagen. Das ist "doppelt gemoppelt", ein Pleonas­mus, umgangs­sprachlich und falsch.

Aus der eigenen Werkstatt
Sie antwortet: Merci, tu es vraiment une perle, je vais lui écrire ça. Sie greift meine Vorschläge auf, bedankt sich, nennt mich eine Per­le.

Moment mal! Auf Deutsch höre ich den Satz so: "Sie ist wirk­lich eine Perle!", sagt die eine Frau zur andren auf dem Spiel- oder Golfplatz. "Vielen Dank, dass Sie uns diese Putz­frau empfohlen haben!"

Die Übersetzer­kollegin darauf: Oui, une perle, c'est quelqu'un de précieux, parce que c'est quelqu'un qui peut donner des choses précieuses : par exemple une com­pé­tence sûre, ou la confiance, etc. (Eine Perle ist jemand, der sehr wertvoll ist, der Wertvolles weitergibt, sicheres Fachwissen, Vertrauen schenkt usw.)

Auf Deutsch ist die Perle eben mehr die "gute Fee" im Sinne von "gute Putzfee". Kann auch eine Haushälterin sein, also jemand, der für den ganzen Haushalt da ist. (Und hier: Bislang ein Frauenberuf. Der "Haushälter" sitzt im Finanz­ausschuss einer Regierung.)

Wir haben es bei der Perle um ein Lehnwort und eine leichte Wort­feld­ver­schie­bung zu tun. Die "Putzfee" gibt es auf Französisch übrigens auch, la fée du logis (wörtlich rückübersetzt die Haus­fee oder die Heim­fee).

Linktipp
Weiter mit dem Wortfeld: Die Perlenkettentussi (PKT)

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Foto: C.E.

Donnerstag, 24. August 2017

Straßenverkehrsordnung

Hier bloggt eine Übers­et­zerin und Dol­met­sche­rin. Fran­zö­sisch und Englisch sind meine Arbeitssprachen. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Me­dien und Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt In­nen­ar­chi­tek­tur. Hier einmal Mitlauschen am Telefon. Leider authentisch.

Money talks
Potentieller Kunde (PK, mit Schnapp­at­mung): Wie kom­men Sie eigentlich zu diesen Prei­sen? Mein Schwa­ger hat mir die Webseite für 150 € übersetzt. Mit all den Un­ter­sei­ten!
Ich: Ach, ist Ihr Schwager Über­setzer? Warum übersetzt er dann nicht auch ihren On­line-Ka­ta­log?
PK: Nein, mein Schwager ist Klempner.

Ich: Aha.
PK: Aber er hat lange in Frankreich gelebt und sein Vater war Franzose.
Ich: Und wie kam die Website  auf Französisch so an?
PK: Naja, wir haben nachträglich schon sehr viel ändern müssen. Die Kunden ha­ben uns darauf hingewiesen. Deshalb rufe ich Sie ja auch auch heute an.
Ich: Sehen Sie, das habe ich gemeint. Nicht jeder, der die StVO kennt, ist au­to­ma­tisch Taxi-, Bus- oder gar Rennfahrer.

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Foto: Archiv

Mittwoch, 23. August 2017

Living in oblivion

Zuällig oder geplant, Sie lesen jetzt einen Blogtext. Als Dolmetscherin und Übersetzerin arbeite ich mit der französischen und der englischen Sprache. Ich arbeite in Paris, Berlin, Toulouse, Hamburg, München, Marseille, Wien, Brüssel ... und zuhause.

Living in oblivion hieß vor über 20 Jahren mal ein Berlinalefilm, wörtlich: "das Leben in Vergessenheit", über Dreharbeiten, die auf hohem Niveau scheitern. Schönes Scheitern kenne ich.

Ich wohne im Altbau. Die Wohnungen haben stellenweise sehr dünne Wände. Das Büro liegt in der Wohnung. In den wärmeren Jahreszeiten arbeite ich oft mit geöffneter Balkontür und höre das Treiben draußen, das Café unten im Nachbarhaus, den Markt und seine Straßenmusiker. Das ist schön in Phasen, in denen ich die Kollegen allenfalls mittags in der Pause sehe.

Sonst gibt es derzeit zwei zauberhafte Momente bei mir zuhause. Wenn ich abends noch im Arbeitszimmer sitze und der Nachbar eine Schallplatte auflegt, um ein Gitarrenstück von Astor Piazzolla anzuhören. Er hört es jeden Abend, weil er es anschließend übt.

Der zweite zauberhafte Moment ist der, in dem er mit dem Üben aufhört.

Ich weiß, das heißt nicht mehr Schallplatte. Das ist auch kein Piazzolla da in der Wohnung neben mir. (Noch nicht.)



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Musik: Guitar Duo KM, "Oblivion", A. Piazzolla

Montag, 21. August 2017

Letztlich

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur.

Auf Flohmärkten kaufe ich gerne alte Büroobjekte, besondere historische Fo­to­gra­fien (huch, was für eine Überraschung für jene, die hier die letzten Wochen be­ob­ach­tet haben). Auch alte Schul- oder Notizhefte lassen mein Herz höher schla­gen — und werden letztlich auch genutzt. Es ist immer wieder über­ra­schend, wie groß das Angebot an alten Schreibwaren da draußen ist.

Gestern fand ich ein Heft, das vollständig leer ist, amerikanisches Format ... beim Blättern zuhause war dann doch eine Seite beschrieben. Eine To-Do-Liste mit dem unten ab­ge­bil­de­ten Résumé.

"Am Ende des Tages" höre ich auf Deutsch immer öfter. Es ist aber "schließlich", "letztlich" oder "in letzter Konsequenz" gemeint. "Letzten Endes" sei eine (falsche) Tautologie, meint Kollegin Rachel. Ich will ihr glauben.

I need to start thinking in terms of how I want to feel at the end of the day -> that means putting my time to productive use

Sonntag, 20. August 2017

Loulou

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Neulich war das in Paris.

Julie-Lou Dubreuilh von den Stadtschäfern des Vereins Clinamen
Ahnungslos sitze ich in der dritten Reihe. Noch ist alles Routine. In der ersten Rei­he: Die Interviewte, ab und zu gesellt sich ein Schaf zu ihr, das sie krault. Nicht weit von ihr entfernt steht der Tonmann, der ihre Stim­me mit der Angel ein­fängt.

Es geht um Urban farming, Tierhaltung und bäuerliche Landwirtschaft im Stadt­raum.

In Reihe zwei, es ist zugleich die Mitte unserer Interviewanordnung, sitzen Kame­ra­mann und Regisseur. Hier liegt auch mein Notizenblatt mit Fragen in Roh­über­set­zung.

Loulou and I
In der dritten Reihe bin dann ich. Ahnungslos. Schrei­­be mir Wör­ter auf, ver­dol­met­sche Teile eines In­ter­views für Arte. Plötzlich schaut mich die In­ter­view­te direkt an und kom­men­tiert trocken, was sie sieht: "Gleich frisst dir ein Schaf die Haare vom Kopf."
Es ist Loulou, die sich wenig später in Pose wirft zum Sel­fie mit Schaf. Dann läuft sie um mich herum, lacht keck in die Kamera.

Kurz darauf haben wir losgeprustet
Dann steht sie hinter dem Ka­me­ra­mann, zögert kurz, springt zwischen die ersten Reihen, landet mitten auf dem runden Faltreflektor, der am Boden liegt, um das Kon­ter­fei der Ge­sprächs­part­ne­rin zu erhellen, dann weiter. (Der Reflektor ist unbeschädigt.)


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Fotos: C.E.

Samstag, 19. August 2017

Aussichten

Hallo, bon­jour, welcome! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zerin aus Pa­ris, Ber­lin und von dort, wo Sie mich brau­chen. Es ist Samstag und es folgen zwei besondere Links.

Fraktur oder Latein?
Das Wort "Klimawandel" taucht derzeit im Wahl­kampf nicht auf. Welche Worte hoch im Kurs der Parteien liegen, hat "Die Welt" untersucht: Wolkige Aussichten (Autor: Thorsten Mumme).

Zweisprachige machen oft un­ter­schied­li­che Erfahrungen mit dem Faktor Zeit, je nachdem, welches Zeitkonzept die Idiome so mit sich bringen: Link zum Artikel erschienen schon im Mai in The In­de­pen­dent (Olivia Blair).



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Illustration: Archiv

Donnerstag, 17. August 2017

Worte dazwischen

Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares nur als Ausgangssprache).

Strandpromenade Brunshaupten (1931)
Neulich am Strand. Ich kom­me mit einer Psycho­the­ra­peu­tin und Masseurin aus Mar­seil­le ins Gespräch, die mich auf meine Deh­nungs­übun­gen an­spricht, denn der Tra­pez­mus­kel nervt mal wieder. Ich ha­be ge­ra­de eine Fort­bil­dung ge­dol­metscht.
Als die Nacht hereinbricht, diskutieren wir noch immer.

Sie verwundert vor allem, wie wir das machen mit dem Dolmetschen. Wie wir das, was gerade als Gedankenstrom entsteht, sofort übertragen können. Das geht nur, erkläre ich, weil wir antizipieren würden.

Wie ich denn mein Antizipieren vorbereite, will sie wissen. Wir Dolmetscher lesen uns ein (daher immer unsere vielleicht sogar nervigen Fragen nach Material), wir suchen das Netz ab nach Texten, Audio- und Filmdateien. Wir verbringen Zeit mit dem Thema und andren Quellen. Das kostet Zeit, dient aber alles der Sicherheit und dem Schweben. Ja, es hat etwas von Schweben, wenn ich jemanden simultan vertone. Durch das Vorwissen muss ich nicht 100 % meiner Energie aufs Erfassen und Umsetzen der Inhalte verwenden, ich kenne sie, ich kann mich vielmehr der Art widmen, wie die Dinge gesagt werden, den Rhythmus erfassen, die nächsten Schritte antizipieren. Im besten Fall bin ich fünf Sätze weiter, weiß, wo der Text hinwill, ähnlich wie der Redner.

Die Gefahr liegt dabei natürlich immer in der Selbstüberschätzung. Bei an­ge­fan­ge­nen Halbsätzen, die sich erst Halbsatz für Halbsatz erschließen, muss ich mich mal zurückhalten, mal darf ich vorpreschen und das Verb, das im Deutschen ja immer am Ende kommt, vorwegnehmen. In 95 % der Fälle geht das gut. In fünf Prozent folgt dann ein rhetorischer Schlenker: "Ja, das wäre jetzt logisch gewesen, es ist aber genau andersherum." Oder: "Hier hat sich die Dolmetscherin verhört, das Ge­gen­teil ist der Fall, pardon !"

Sie mache als Therapeutin das Gleiche, sagt sie, sowohl in der Gesprächs- als auch in der Körpertherapie. Und auch sie würde manchmal daneben liegen. Der Kör­per indes, meint sie, würde nicht lügen, mitunter spüre sie Vorgänge, die tief im nicht­sprach­li­chen Feld liegen würden. Wochen oder sogar Monate später erfahre sie meis­tens die Bestätigung ihrer Beobachtung. Ihre Irrtumsquote liege deutlich nie­dri­ger.

Ich fand diese Parallelisierung spannend. Und es hat mich wieder einmal im Wissen darin bestätigt, dass auch wir viel von der Körperhaltung ablesen. Freie Sicht auf die Rednerinnen und Redner ist wichtig!

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Foto: Archiv

Mittwoch, 16. August 2017

Home-office-Tage

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Heute: Blick auf einen Schreibtisch.

Mann am Gründerzeitsekretär
Home-office um 1900
Der "möblierte Herr", was mein Mit­be­woh­ner ist, sitzt derzeit auch mit in meinem Bürozimmer. Wir können gut in ein- und demselben Raum arbeiten, ver­strö­men je­weils gute Atmosphäre in diesem wech­sel­haf­ten Sommer, in dem die meisten Kol­le­­ginnen und Kol­le­gen sich an ir­gend­wel­chen Stränden tummeln.

Das ist der Nachteil dessen, wenn keine schul­pflich­tigen Kinder mit im Haushalt leben: Ein eigenständiges Sommer- und Urlaubsgefühl entwickeln zu müssen, denn irgendjemand muss ja die Stellung halten. Der Mann, der hier ohne Ameublemang mit einzog, macht sich auch gut in Sachen Tee­kochen.

Erholung von der Wortarbeit mit visuellem Schnickschnack: Erfreut hat mich heute ein Quiz in Sachen Bürodesign, das "Spiegel Online" in Umlauf gebracht hat und das sich als schwerer entpuppt als gedacht.

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Foto: Archiv

Montag, 14. August 2017

Gröblich unhöflich: spoilern

Hier schreibt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Das Sommerbüro ist aktiv, jedoch nicht für das Übersetzen von amtlichen Dokumenten. Außerdem schreibe ich bei Bedarf um und wirke an der Projektentwicklung mit.

Frau im Buero, Schreibtisch, Foto schwarz-weiß
Einst im Büro
Im Büro mit Kollegen. Demnächst startet ein Film, den ich vor etlichen Monaten übersetzt habe, damals suchte die fran­zö­si­sche Produktionsfirma deutsches För­der­geld. Ich trage den Termin in den Event­ka­len­der ein.

"Kommst du mit?", werde ich gefragt. Na­tür­lich komme ich mit, auch wenn ich schon weiß, wie es ausgeht. Aber ich ver­ra­te nichts, ich will ja nicht spoilern.

Den Be­griff "spoi­lern" hö­ren wir erst seit ei­ni­gen Jah­ren. Die Film­kri­ti­ke­rin im Hör­funk: "Mehr sage ich jetzt nicht, das Pub­li­kum soll sich ja über­ra­schen las­sen dür­fen, kein Spoilern!"

Der Begriff kommt vom Englischen to spoil ("verderben“). Wenn zu viele In­for­ma­tio­nen im Vorfeld verbreitet werden, sinkt angeblich der Genuss- und Un­ter­hal­tungs­wert verschiedenster medialer Erzeugnisse: Buch, Bühnenprogramm, Film, Serie, Fußballaufzeichnung oder Computerspiel.

Folglich entstand das Wort der Spoilerwarnung. Das ist ein implizites: "Leute, hört oder seht mal kurz weg, wenn ihr die Auflösung oder den Namen des Mörders nicht bereits im Vorfeld wis­sen möchtet." Spoilern gilt als gröblich unhöflich. Daher er­öff­net dieses Wort eine neue Reihe.

Ob der Genuss durch die Vorwegnahme des Endes wirklich gemindert ist, darüber streiten übrigens die Fachleute. Ich selbst lese (wenn ich mal Krimis lese) auch ger­ne relativ früh die letzten Seiten und kann dann besser beobachten, wie sich was anbahnt (Nebengeleise, die sich als Finten herausstellen zum Beispiel, aber auch die Lösung des Falls).

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Foto: Archiv

Sonntag, 13. August 2017

Das Nichtfoto

Bonjour und hello und guten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer so alles er­le­ben, können Sie hier ab und zu erfahren. Manch­mal verlasse ich die Kabine oder den Überset­zer­schreib­tisch und lande mitten in meinem zweiten Heimat­land. Sonntagsbilder!

Neulich in Saint-Denis im Norden von Paris: Eigentlich müsste es andersherum lau­ten, nämlich das Kaff Paris bei der berühmten Stadt der Abtei von Saint-Denis. Hier sind im Mittelalter und in der Renaissance die französischen Könige zu Dut­zen­den beerdigt worden, darunter auch zwei, deren Namen ich als Kind bzw. Ju­gend­li­che geliebt habe, le bon roi Dagobert und Pépin le Bref (Pippin der Kurze, der Va­ter von Charlemagne = Karl der Große). Auf Französisch bezeichnet le pépin ei­nen kleinen Kern (z.B. in Trauben), aber auch ein kleineres Problem. So heißen nor­ma­ler­wei­se Könige in Kinderbüchern!

Mit einem Team, das für Arte Deutschland einen Film dreht, bin ich als Dol­met­sche­rin und Frankreichfachfrau unterwegs. (Was wir drehen, beschreibe ich mal später in der Woche. Aber ich bin auch dafür da, dass ich dem Regisseur sage, dass jeder Schüler in Frankreich von der Basilique gehört hat und dass es schön wäre, diese in die Liste der Establishing shots aufzunehmen.)

Andere Bilder sprechen von der heutigen Wirklichkeit. Wir registrieren sie, ohne sie aufzunehmen: Auf den Mittelinseln zweier Ampelkreuzungen sitzen Frauen mit kleinen Kindern auf dem Schoß. Sie halten Pappschilder in die Höhe, famille de Syrie, "Familie aus Syrien", und erbitten Spenden von den Wartenden. Wir sind hier mehrfach vorbeigekommen. Ich konnte auch beim dritten Vorbeifahren diese Sze­nen nicht fotografieren, somit wird es mein Nichtbild des Sonntags.

Am Abend ergab sich dann doch noch ein Sonntagsfoto. Ich weiß nicht, warum hier so viele Uniformierte vor der Kathedrale herumstanden, aber die Jungs auf ihren Zweirädern hatten echt einen schönen Schwung drauf.


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Foto: C.E.

Mittwoch, 9. August 2017

Abendschicht

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten. Als Dol­met­scherin und Über­setzerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, München, Toulouse und dort, wo man mich braucht.

Dummer Spruch, leider wahr: Selbständige arbeiten selbst und ständig. 

Noch Bakelit-Telefon, schon Tesafilm
Zu Beginn des Jahres bin ich einige Wochen durch einen langwierigen grippalen Infekt ausgefallen, dann gab es eine Zeit, in der ich nicht genug gesehen habe, um kon­zen­triert zu arbeiten.

Ich hole also nach. Den Frei­be­ruf­ler­bo­nus lobe ich indes auch: Ja, es kommt vor, dass ich einen langen Tag am See verbringe.

Aber es stimmt auch, dass darauf schon mal 'ne Abendschicht folgt. Statt Er­leuch­tung hab ich nur Licht auf dem Tisch.

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Foto: Archiv

Dienstag, 8. August 2017

Kindheit in Deutschland

Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache und aus dem Englischen. Neulich traf ich eine frühere Lehrerin wieder. Sie wollte wissen was ich beruflich mache.

Schaukepferdritter
Als sie meine Ant­wort hörte, reagierte sie enttäuscht. Sie mein­te, dass sie große Stücke auf mich gesetzt habe. Dol­met­schen nannte sie einen "Pa­pa­gei­en­be­ruf". Fin­de ich nicht, denn das Vo­ka­bu­lar der gefiederten Zeit­ge­nos­sen ist begrenzt und Pa­pa­gei­en wis­sen nicht, was sie sa­gen. Au­ßer­dem ist Sprach­ar­beit sehr kreativ.

Kleine Kaufmänner
Kindheitsbilder
Und für ein eigenes Schreib­pro­jekt sammle ich nun Be­rich­te aus der Kindheit frü­he­rer Jahr­zehn­te mit Schwer­punkt 1910-er bis 1940-er Jahre. Wer Menschen kennt, die etwas berichten möchten, möge mir eine Mail schreiben (Kon­takt: siehe un­ten). Ich rei­se mit Pro­fi­ton­­tech­nik an, was auch für die Fa­mi­lien und Nach­fah­ren der Inter­view­ten in­te­res­sant sein kann.

Besonders interessieren mich Spiele, Dumme-Jungens-und-Mädchen-Streiche, Wohnwelten, Blick auf Menschen anderer Herkunft und Religion, Eifersucht unter Geschwistern sowie die Berichte von U-Booten, von im sogenannten Dritten Reich Untergetauchten.

Auch Erzählungen über den 1. Schultag interessieren mich, hier auch die von in anderen Jahrzehnten geborenen Men­schen.

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Fotos: Privatarchiv
Kontakt: caroline@adazylla.de

Montag, 7. August 2017

Im Kontor

Bonjour, hier schreibt seit nunmehr mehr als einem Jahrzehnt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Oft reise ich mit meinen Sprachen. Heute ist es ein bisschen eine Reise in der Zeit.

 Gruß aus dem Kontor. Dieser Tage redigiere ich eine größere Übersetzung.

Ob die Herren wohl mit Kolonialwaren gehandelt haben?
Ein Teil der Vorlagen wurde auf af­ri­ka­ni­schem Französisch ge­schrie­ben. Dieses Fran­zö­sisch ist stellenweise so viel schöner als die moderne Sprech­­wei­se, wie sie im Mut­terland die­ses Idioms heute üblich ist, so viel ur­sprüng­li­cher, was mit der Kolonialzeit und den geo­gra­fi­schen und sozialen Orten der Bewahrung zu­sam­men­hängt.

Französisch scheint in Afrika viel eher die Sprache von Politik, Verwaltung und Kul­tur zu sein als von Einkaufen, Hausputz und Nachbarschaftsärger.

Stellenweise klingt es in meinen Ohren allerdings fast pathetisch. Ich weiß, es ist hier nur besonders höflich gemeint, besonders förmlich und soll Gefühle eigentlich verbergen. Es wirkt auf mich wie ein Zwitter aus "Kanzleideutsch" und der Lyrik von Poesie­al­ben.

Das auf Deutsch wiederzugeben führt zu fünf, ja sechs Überarbeitungsstufen. Denn der Duktus soll am Ende durchscheinen, der Text etwas Lokalkolorit haben, sonst aber nicht vom Wesentlichen ablenken.

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Foto: Archiv (sächsisches Kontor, 1910,
zum Vergrößern in ein zweites Fenster laden)

Sonntag, 6. August 2017

Lese-, Arbeits- und Freundesonntag

Hier bloggt eine Spracharbeiterin. Was Dolmetscher für Französisch, Deutsch und Englisch (bei mir nur Ausgangssprache) so machen, können Sie hier mitlesen. Sonntags werde ich privat: Sonn­tags­fo­to.

Der Titel sagt schon wieder alles. Der bittere Moment ist der: Als ich beim Kaf­fee­trin­ken nach dem Spaziergang abbrechen und zum Schreibtisch eilen muss, weil ich mich abends schon wieder mit der nächsten Freundin treffe.


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Foto: C.E.

Donnerstag, 3. August 2017

Sommerbüro mit Medien

Bonjour, hello und guten Tag! Wie Dolmetscherinnen arbeiten, können Sie hier mit­le­sen. Ich dolmetsche bilateral Deutsch-Französisch und aus dem Englischen. Es ist Hochsommer und heiß. Hoch geht's auch im Büro her.

"Mehr von Mademoiselle Moreau!", wünschen sich gleich drei Leserinnen und Leser. Der am Montag verlinkte Bericht über eine Geburtstagswürdigung war schon die ei­ne besondere Geschichte mit ihr. Viel mehr habe ich eigentlich nicht zu bieten. Bei späteren Begegnungen war sie viel gelassener, mütterlicher.

JM schaut beim Auswerten von Drehmaterial zu
Sie hat mir das Muschelnessen beigebracht und meine Stim­me gelobt. Und das, was sie über Truffaut erzählt hat, deckt sich mit dem, was ich seit einer Truffaut-Re­tro­spek­ti­ve im Kino aus den 1990er Jahren weiß, die ich ver­dol­met­schen durfte. Damals hat Robert Fischer aus München im einstigen Berliner "Kino am Steinplatz" eine Retrospektive veranstaltet.

Aus dieser Zeit rührt auch meine Bekanntschaft mit der Tochter Truffauts her, de­ren Erzählungen über ihren Vater sich mit dem deckt, was ich von Mademoiselle M. erfahren durfte. Dieser berühmte Regisseur stand also mehr im Focus als eine sei­ner Heroinen. Und dann habe ich Madame natürlich oft in den Filmen anderer und Theater gesehen.

Im Hochsommer ist Theaterpause. Passt, denn ich habe ohnehin Hausarrest. Ar­bei­te mich durch ein größeres Übersetzungslektorat hindurch, zwischendurch dol­met­sche ich (mit Stichworten vorbereitet) für den Schneideraum gedrehtes Material für eine Arte-Produktion, die Notizen auf dem IPad sind ohne Sonderzeichen, ich warte auf die deut­sche Tastatur. Organisiere nebenbei eine Farsi-Dolmetscherin für ein Wohnheim, eine Geflüchtete braucht Begleitung zum Arztbesuch und die übli­chen Stellen, Vereine, gGmbHs etc., scheinen im Urlaub zu sein.

Zählerstände und Wörter
Arbeit = Passion. Manchmal auch im Sprachbüro.
Am Abend pro­me­nie­ren wir über heißes Pflaster und das Ufer des Land­wehr­ka­nals entlang. Am Was­ser steht ein Klavier auf ein­em Brett­wä­gel­chen, wie Um­zugs­­leu­te sie ha­ben. Es wird vierhändig be­spielt. Die Mau­er­­seg­ler (oder Turm­schwal­ben) verbringen ihre letz­ten Berliner Aben­de vor dem Ab­flug nach Af­ri­ka; ihre spit­zen Schreie werden mir bald feh­len.

Normalerweise habe ich in diesen Wochen stets meine Einquartierung, feste Be­suchs­gäs­te mit festen Zeiträumen. Dieses Jahr bekomme ich aus diversen Gründen zum ersten Mal keine Sommergäste. Dafür ist der Schreibtisch voll. Denn alles neu macht heuer ... der August. Und zwischendurch sehe ich mir alte Filme mit Jeanne Moreau an. Im Netz gibt es so manchen. Und über das Arte-Projekt be­rich­te ich später mal.

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 2. August 2017

Auf dem Schreibtisch XXXXIV

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Spuren im Asphalt
Sicher nicht nachhaltig
Es ist heiß in Berlin. In der Stadt fliegen die fremden Sprachen nur so durch­ein­an­der, Berlin ist voller Tou­ris­ten.

Der Schreibtisch beschäftigt mich einige Stunden am Tag. Manchmal helfe ich, für Not­fäl­le Kollegen zu finden oder springe selbst ein.

Was steht an?

⊗ Textlektorat Burkina Faso, spannende Sachen, die einiges an Re­for­mu­lie­rungs­ar­beit erfordern
⊗ Allgemeine Politik und Krisen (Vorbereitung)
⊗ Gedrehtes Material (Arte)
⊗ Situation von Journalisten in Krisenländern (Nachbereitung)
⊗ Eigene Schreibprojekte

Ich arbeite an zwei Büchern. Das eine, ein illustriertes Kinderbuch, trage ich seit Jahren mit mir he­rum, es drängt mit Macht an die Luft. Das andere befindet sich in der frühesten Konzeptionsphase.

Ganz nach dem Motto: Wer schreibt, der bleibt. Oder so: Ich wollte schon immer mal bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Foto: C.E. (Spur hinterlassen in Frankfurt/Main)