Freitag, 24. November 2017

Rähm und Strebe

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Dol­met­scher und Übersetzer kommen schön rum, räumlich und thematisch.

Fachwerk mit diversen Arten der Ausfachungen und des Putzes
Wandaufbau historisches Fachwerkhaus
Sehr gerne dolmetsche ich auf dem Bau. Das können Neu- und Umbauten sein, die Kunden sind Handwerker selbst, Bau­her­ren und -da­men, In­nen­ar­chi­tek­ten und Set­de­sig­ne­rin­nen beim Film. Vor dem Ein­satz liegt jedes Mal die Er­wei­te­rung des Fach­vo­ka­bu­lars.
Wie schön, dass wir heute mit Bil­der­su­che re­cher­chi­eren kön­nen.

Vokabeln wie Wandstrebe und Eckständer, Rähm und Strebe, Riegel, Balken und Saumschwelle werden von Bauredakteur.de Dominik Hochwarth erklärt. Ich suche mir auch noch aus anderen Quellen Entsprechungen für das, was auf Französisch ei­ne gro­ße Grafikseite füllt.

Illustration mit Fachbegriffen
Zum Vergrößern in einem zweiten Fenster laden
Weitere gute Fundstellen: Fachwerk.de (mit Lexikon), Fachwerkhaus.de (mit Details über die Sanierung),  Derselbermacher.de (mit einer Grafik über Fachwerk) und der Baubeaver.de, Samuel Schneider, ein ausgelernter Zimmerer, der das Publikum dazu an­re­gen möchte, sach- und fach­ge­recht selbst tätig zu wer­den (Grundwissen Fach­werk).




Französische Quellen: Meine Bibel, das Bildwörterbuch "Dicobat visuel", hier zur Ansicht ein herunterladbares PDF-Beispiel. Für den historischen Ansatz: Dic­tion­nai­re raisonné de l’architecture française du XIe au XVIe siècle und im Saône-Tal: Types de constructions/colombage.

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Illustrationen: C.E., Sebastian Wallroth

Donnerstag, 23. November 2017

Unclever-gefunden.de

Hello, bonjour und guten Tag! Hier berichtet eine Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache über ihren Arbeitsalltag. Außerdem arbeite ich für Pri­vat­kun­den und europäische Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Stu­dien­rei­sen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Und jetzt kommt eine Nachricht infolge einer Werbe­botschaft: Hallo die Damen und Herren von www.clever-gefunden.de, wenn Sie mich noch einmal mit einem Werbeanruf behelligen, geht der Vorgang an meinen Anwalt. Kalt­akquise dieser Art ist in Deutschland aus guten Gründen verboten.

Und nein, mein Netzwerk und ich haben keine Werbung nötig, wir und ich haben genug zu tun, zumal Sie ja wirklich einen Witz anbieten: Ein kostenpflichtiges Han­dels­verz­eich­nis, wo doch das ganze Weltweite schon eine Art Han­­dels­­ver­­zeich­­nis ist. Ehrlich, ver*rschen kann ick mir alleene.

Und Sie sind auch nicht die Firma Google, das können Ihre Mitarbeiter so elegant und so wenig justiziabel wie möglich anklingen lassen.

Une gargouille de Viollet-le-Duc
Ich falle auf Ihre höchst kri­mi­nelle Masche nicht rein, dass die bislang kostenfreie Auflistung meiner Daten beim weltbe­rühmten digitalen Was­ser­speier kosten­pflichtig wird. Gar­goyle bleibt Gar­goyle, mit allen Vor- und Nachteilen, die gemein bekannt sind.

Auch weitere Nachfragen verbitte ich mir und zitiere dabei Pär Ström, Autor und IT-Unternehmensberater: "Es gibt tausend­undeinen Grund, warum ein Mensch bestimmte Einzel­heiten seiner Privat­sphäre nicht offenbaren will, und es besteht nicht die geringste Pflicht, dies auch noch begründen zu müssen. Es reicht, dass man es nicht will."

Und es würde ausreichen, wenn Sie sich einfach an die Gesetz­gebung halten wür­den, denn Kalt­akquise ... siehe oben.

Hier mehr zu dieser Firma und ihren Methoden: wbs-law.de / internetrecht / Vorsicht vor Anrufen der Firma Deal up von RA Christian Solmecke.

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Illustration: Dictionnaire raisonné de
l'architecture française du XIe au XVe
siècle (1854 à 1868)

Mittwoch, 22. November 2017

Auf dem Schreibtisch XXXXV

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Gesehen in Frankfurt/Main
Back to the office. Nach lan­gen Dienst­rei­se­wo­chen gilt es, die Holzoberfläche des Schreib­tischs wieder frei­zu­kämpf­en.

Die Bäume vor dem Fenster sind plötzlich fast aus­nahms­los kahl, in den Lä­den stehen wie immer ver­früht die Scho­ko­nikoläuse Spalier.

Was steht an?

⊗ Vorbereitung Kunstgeschichtstermin (Impressionismus)
⊗ Vorbereitung Stasi-Termin
⊗ Gedrehtes Material (Arte): IT-Wirtschaft
⊗ Allgemeine Politik (mise à jour)
⊗ Bergbau (Nachbereitung)
⊗ Filmkunst- und ästhetik

Meine Filmlexik hat viel Zuwachs bekommen in den letzten Jahren. Einerseits aus eigener Arbeit, andererseits als "Vorlass" einer guten Bekannten, die sich von dem Feld inzwischen verabschiedet hat. Immer wieder mal taucht die Frage nach der Er­stel­lung eines Fachwörterbuchs auf, jetzt erneut.

Außerdem: Bücher lesen, darunter im Rahmen einer Produzentensuche für einen Theatermann, und mit dem Zwecke der Verringerung des Bücherstapels, der sich neben dem Lesesessel türmt. Und in diesen dunklen Wochen auf ausreichend Licht achten.

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Foto: C.E.

Dienstag, 21. November 2017

Rund

Hier bloggt im elften Jahr eine Übersetzerin und Dolmetscherin über ihren Be­rufs­all­tag, und das sogar schon im elften Jahr.

Salzglas, Teetasse, Serviettenring, Teller, Untersetzer, Marmeladenglas: alles rund
Küchentisch in Neukölln
Eine runde Sache - une af­fai­re qui tourne rond, breakfast at home, finally. Wie schön! Und gleich geht's wieder rund. Müde Gedanken beim Aufwachen.

Und sogar die Tischplatte ist rund, wie hier unlängst zu sehen war: klick. And I'm now entering the second round of the month. Naja, fast.

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Foto: C.E.

Montag, 20. November 2017

Bahnkram

Hello, bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Während der Mitbewohner in Berlin die Pflanzen gießt, bin ich schon wieder auf Kurzreise.

Jeder zweite Zug, mit dem ich in den letzten Monaten gefahren bin, war ver­spä­tet. Einige sind überhaupt nicht gefahren, gerne nach stürmischen Winden.

Bahnhofausfahrt mit diversen Neubauten im Gegenlicht
Essen am Wegesrand
Daher war der Zug neulich, der mit Verfrühung in einen Bahnhof eingelaufen ist, auch so ein kleines Wunder. Denn es kann vorkommen, dass ich zwei Züge früher fahre, um pünktlich zu sein, neulich sogar drei, um ein­en Film­re­gis­seur, der über 90 ist, vom Flughafen abzuholen. Und so schlendere ich schon wieder über den Bahnhof und warte auf einen Zug.

Dieses Mal ist er schon bei der Abfahrt zu spät dran. Zufällig treffe ich am Bahn­hof eine Kollegin, die wie ich nach "Westdeutschland" fährt, wie West­berliner und West­deut­sche ab Mitte 40 die "alten" Bundesländer nennen. Ihr Wunschzug war al­ler­dings schon eine halbe Stunde vor der geplanten Abfahrtszeit abgefahren. Auf ihre Beschwerde hin erfuhr sie, dass man sich als Reisender jedes Mal aufs Neue im Vorfeld von der unveränderten Abfahrtszeit des gewählten Schienenfahrzeugs zu überzeugen habe. Es herrsche Mitwirkungspflicht, so jedenfalls ein Bahn­mensch.

Meistens sind diese turbulenten Momente auf Unwetter zu­rück­zu­füh­ren. Ich er­in­ne­re mich an Zeiten, in denen die Bahn geworben hat mit Sätzen wie: "Alle reden vom Wetter, wir nicht." Seit "Die Bahn" das "deutsche" und das "Bun­des-" ab­ge­legt hat, ist das alles perdü. (Der weltbeste Ziehpatensohn wür­de sich jetzt mög­li­cher­wei­se selbst zitieren, wenn er das hören könnte: "Ha­ben damals ei­gent­lich noch Dinosaurierer gelebt?")

In der Schweiz sind die Ränder der Bahnlinien übrigens nicht so dicht baum­be­stan­den wie hierzulande. Daher funktionieren dort die Anschlüsse auch sehr viel bes­ser und weitere Bevölkerungsschichten nutzen dieses Fort­be­we­gungs­mit­tel in­ten­siv.

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Foto: C.E.

Freitag, 17. November 2017

Schlagfertigkeit

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. 

Schlagfertigkeit lässt sich lernen. Und andere zu überzeugen auch.

Blick aus dem Autofenster auf ein Hotel, Regen auf der Glasscheibe
Am Potsdamer Platz
Kundin A fragt eine Dol­met­sche­rin für zwei Stunden In­ter­views in einem Lu­xus­ho­tel an. Der Zeitraum: Mitten in der Hochsaison. Da es kaum eine Nebensaison gibt, müs­sen wir normalerweise 80 % unseres jähr­li­chen Dol­­metsch­­um­sat­zes in fünf­ein­halb, sechs Mo­na­ten ge­ne­rie­ren. Außerdem steht und fällt unsere Arbeit mit der Vor­be­rei­tung.

Ich rufe also den normalen Satz auf. Kundin A: "Der Interviewte ist kein in­tel­lek­tu­el­ler Überflieger, das wird ganz einfach." Ich: "Macht nichts. Einem Arzt bezahlen Sie für dessen Zeit auch nicht deshalb weniger, nur weil der Patient nicht so schwer erkrankt ist."

P.S.: Den Job hab ich gekriegt. (Und es sind Presseinterviews mit Pausen, etwas, das ich alleine machen kann.)

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Foto: C.E.

Mittwoch, 15. November 2017

Das Internetz

Fenster: In einem Flügel hängt am Kabel eine Internetbox und baumelt in der Luft
Gesehen in Berlin-Neukölln
Bien­ve­nue auf Blog­sei­ten aus der Welt der Idiome. Über­set­ze­rin­nen, Über­­set­­zer, Dol­met­sche­rin­nen und Dol­met­scher nehmen Sprache gerne mal wörtlich. Und wir pfle­gen auf­op­fe­rungs­voll manch al­ten oder seltenen Begriff.

"Das Internetz" nannte meine Tante einst das Weltweite, das hat wie aus der Zeit der Intershops herübergeklungen. Vorgestern im Hof: Das Internet hat sich aufgehängt. Endlich verstehe ich das Bild mal.


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Foto: C.E.

Dienstag, 14. November 2017

Die drei W von der Typo

Hier bloggt im 11. Jahr eine Spracharbeiterin. Als Dolmetscherin und Übersetzerin hege ich gewisse Vorlieben für Buchstaben, Typografie und Satz.

In Buchstaben auf dem Tisch: REIM
Morgens in Neukölln
Witwen und Waisen bringen mich zuverlässig zum Schmun­zeln, aber nur im Druck­be­reich. Zumal dieses Feld be­griffs­tech­nisch durch­aus deut­­li­­che Stei­ge­rungs­mög­lich­kei­ten bietet, als da wären: Hurenkinder und die harm­lo­ser klin­gen­den Schus­ter­jun­gen.
Diese Ménage à trois ergänzt aufs Schöns­te der Wal­zen­kö­nig.

Wie kamen Typographen auf derart komische Begriffe? Das weiß ich auch nicht. Ich kenne nur die Bedeutungen der Termini. Die ersten in der Reihe bezeichnen laut Wikipedia "verwandte Typen von Satzfehlern, die den Le­se­rhyth­mus stören und unästhetisch sind".

Das Wort "Witwe" setzt sich in der jüngsten Zeit durch die Globalisierung durch, denn im englischsprachigen Raum wird widow genannt, wenn eine letzte Zeile ohne erkennbaren Zusammenhang frei auf einer Seite steht, wodurch die letzte Zeile eines Absatzes zugleich die erste Zeile auf einer neuen Seite oder einer neuen Spalte ist. (Die sonst auch verwandten Begriffe "Hurenkind", "Hurensohn" und "Hundesohn" geraten daher langsam in Vergessenheit.)

Ein anderer Sprung im Satzspiegel ist die "Waise". Witwen und Waisen sind doppelt verwandt, auch hier gibt es einen mit den Jahren stärker werdenden englischen Begriff, the orphan. Er bezeichnet die erste Zeile eines neu­en Absatzes, die am Ende einer Seite oder Spalte steht und auf der nächsten Seite oder in der nächsten Spalte fort­ge­setzt wird. (Dieses Phänomen heißt auch Schusterjunge. In Berlin wird sonst eine Bröt­chen­art so genannt.)

Das dritte W: "Walzenkönig" heißt ein Papierbogen, der in der Druckerpresse hän­gen­ge­blie­ben ist.

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Foto: C.E.