Samstag, 14. Oktober 2017

Statusmeldung

Bonjour, hello, guten Tag. Hier bloggt im 11. Jahr eine Dolmetscherin, üblicherweise mehrmals die Woche. Wo eine Regel, da auch eine Ausnahme ...

Kurzer Zwischenstand, um die Sendepause zu erklären, die hier eingetreten ist: Unter dem Sturm durfte ich neulich hindurchfahren für eine Last-Minute-Aktion mit Verdolmetschungen von Filmen auf Rügen. Diese Einsätze waren vorzubereiten. Anschließend ging es auf der Straße nach Frankfurt, wo ich derzeit bin, während der Mitbewohner Ruhe zum Schreiben hat. Zwischendurch wurde noch ein Drehbuchlektorat geliefert.

Bonjour, je suis à Francfort en ce moment, à la foire du livre. Le silence du Blog n'est pas dû à la tempête ...

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Foto folgt

Montag, 2. Oktober 2017

Einsprechübersetzung

Hier bloggt im elften Jahr eine Übersetzerin und Dolmetscherin über ihren Be­rufs­all­tag. Heute wird's praktisch. Aus gegebenem Anlass einige ...

Hinweise für das Übersetzen fremdsprachiger Untertitel zum Einsprechen

UNTERTITEL (UT) werden einfache oder doppelte Textzeilen genannt, die unter oder (z.B. bei asiatischen Sprachen) neben Filmbildern eingeblendet werden. Meistens geben sie den Filmton wieder, vor allem Dialoge.

Sie bestehen aus einer vorab festgelegten Anzahl von Zeichen. Viele Sender oder Titelgeneratoren haben eine eigene festgelegte Anzahl von Anschlägen (Anschläge = Zeichen inklusive Leerzeichen). 

Die meisten Menschen hören in der gleichen Zeiteinheit mehr Wörter als sie lesen können. Außerdem ist der Filmschnitt zu berücksichtigen. Es ist z.B. nicht üblich, Titel auf Schnitte zu setzen.

Daher geben Untertitel die Filmdialoge oft verkürzt wieder. Außerdem lenken UTs (besonders Ungeübte) vom Bild ab. Das Spiel der Darsteller, Sound und Musik brau­chen Raum bei der Sinneswahrnehmung. Das macht das Erstellen von Un­ter­ti­teln oft zu einer Knobelarbeit, die mit dem Entwerfen von Kreuzwort­rätseln verglichen werden kann — oder mit einer Form von Dichtung. Denn UTs geben den Filmdialog meistens in gestraffter Form wieder. Hier besteht die Kunst darin, Weg­ge­fal­le­nes zwischen den Zeilen aufscheinen zu lassen.

Wie sehen UTs aus?
Untertitelsoftware
Visuelles Beispiel (einige Jahre alt)
1.
00:02:17,440 --> 00:02:20,375

Hier ein kurzes Beispiel,

ich fand nichts Besseres.

2
.
00:02:20,476 --> 00:02:22,501

… aber es hilft schon mal!

Dort noch ein Grundsatztext über Untertitel: Blogeintrag vom März '14.

EINSPRECHEN ist eine Vertonungsart von Festivalfilmen, für die es noch keine Un­ter­ti­te­lung (in der gewünschten Zielsprache) gibt sowie für manche Werke des in­ter­na­tio­na­len Filmerbes (Beispiel: Billy Wilder). Hierbei werden Titellisten, Dreh­buch- oder Roh­über­set­zun­gen von Dolmetschern adaptiert und eingesprochen. Oder aber es liegen er­prob­te, lektorierte Titel vor, die auch von anderen Fach­kräf­ten ein­ge­le­sen werden können.

Dabei spricht eine Stimme alle Rollen, Frauen, Männer, Greise, Kinder, über die Dauer des gesamten Films (oder Kurzfilmprogramms) hindurch. Nicht alle Dol­met­scher oder Spre­cher sind hierzu geeignet. Eine gute Sprechstimme, Stressresistenz und Ausdauer sind Voraussetzung.

Auf der Berlinale haben wir einen Film pro Tag eingesprochen, und zwar zwei- bis dreimal. Hier war ausreichend Zeit für die Vorbereitung vorhanden. Bei anderen Fes­ti­vals kann es sein, dass ein Sprecher pro Tag drei Filme einsprechen muss. In solchen Fällen ist es besser, die Untertitellisten zuvor fürs Einsprechen zu über­setzen. Das Ergebnis wird sich am Ende nicht gleich als neue Titel setzen las­sen, bil­det dafür aber eine gute Grundlage.

Hier noch einige Regeln für das Zuarbeiten in diesem Fall:
1. Eingesprochene Filme sind keine Synchronisationen, sondern Filme mit ge­spro­che­nen Untertiteln. Es gilt in beiden Fällen: So viel wie nötig, so wenig wie mög­lich.
2. Dialoge und UTs lehnen sich an gesprochene Sprache an. Es gilt: „Mit den Ohren schreiben, nicht mit der Hand.“
3. Zur Bearbeitung von Einsprechlisten gibt es im Idealfall einen Filmlink. Es em­pfiehlt sich, im Script Stellen zu markieren, die sehr schnell sind, z.B. durch Kur­siv­setzung. Über die Geschwindigkeit geben auch die Timecodes Auskunft (die Zahlenreihe vor dem Titel).
4. In sehr hektischen Passagen ist es wichtig, die Atem­pausen des Einsprechers zu berücksichtigen. Tipp: Wer fürs Ohr schreibt und übersetzt, sollte zwischen­durch auch laut lesen, vor allem bei der Übertragung einer sparsamen Sprache wie Eng­lisch in eine ausführlichere wie Deutsch.
5. Anders als bei der Buchlektüre können Ohr und Auge im Kino nicht zu­rück­sprin­gen. Eindeutigkeit ist wichtig, Manierismen jeder Art sind zu vermeiden.
6. Abkürzungen, sofern gebräuchlich, dürfen mit etwas größerer Sorglosigkeit ver­wen­det werden als bei echten Untertiteln. Ein lässiges „er war im Haus­tür­ver­kauf tätig“, wir sehen aber, dass er „Außendienstmitarbeiter“ ist, darf anstelle von Il a fait du porte-à-porte, zu Il était VRP [voyageur représentant placier] verkürzt werden.
7. Sprichwörter werden mit der Entsprechung aus der andren Kultur übertragen, außer ein zitiertes Element kommt in der Geschichte vor. Dann muss abgewogen werden zwischen direkter Übertragung und Verschiebung in Richtung einer anderen sprichwörtlichen Metapher (die im Film vorkommt).
8. Probleme und Fragen jedweder Art bitte anmerken und deutlich vom Rest des Textes abheben.
9. Anders als in der Dolmetscher­kabine sind drastische Ausrufe 1:1 wiederzugeben. Hier sind keine diplomatischen Folgen zu befürchten.
10. Have fun while working! Arbeitszeit ist Lebenszeit.


Früher, als Filme noch als Rollen ins Kino kamen, wurden die Untertitel in das Trä­ger­ma­te­rial eingebrannt. Heute sind werden sie im Schnitt oder vom Vor­führ­ge­rät zugespielt. Damit sind sie auch später noch redaktionell veränderbar. Die Über­pro­duk­tion von Filmen führt aber leider dazu, dass nach Fertigstellung einer über­eil­ten Festival­fassung später nur noch selten korrigierend eingegriffen wird. Außerdem haben erhöhte Nachfrage und andere Markt­gesetze die Preise von Un­ter­ti­teln verdorben. Es ist daher allen in der Festival- und Filmaus­wertungskette gedient — nicht zuletzt uns selbst, denn wir sind ja alle Zuschauer —, wenn ak­ku­rat ge­ar­bei­tet wird.

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Foto: C.E. (Archiv)

Sonntag, 24. September 2017

Schokokuchen

Bonjour, hello und guten Tag! Hier bloggt im elften Jahr eine Spracharbeiterin. Heute: Made in France, allerdings in Berlin nachgebaut, ein Klassiker, mo­der­ni­siert.

Kuchenform von oben
Abkühlen lassen
In Frankreich hat der Gâteau au chocolat etwa so oft sei­nen Auftritt wie der deut­sche Mar­mor­ku­chen.
Der Scho­ko­ku­chen ist ein ty­pi­scher Ge­burts­tags­ku­chen, lässt sich auch als Des­sert­ku­chen schnell zu­be­rei­ten, also "aus der Lamäng" (so wird es auf Deutsch ge­spro­chen, da­rin steckt na­tür­lich la main, die Hand, meint: aus der Hand geschüttelt ne­ben­bei).

Sehr gerne mache ich den Kuchen mit einem Arome, wie Erwachsene sie eher mögen als Kinder. Für acht Kuchenstücke werden gebraucht:
200 g Bitterschokolade (ich nehm' die mit 70 Volt)
2 gehäufte EL Kochkakao
200 g Butter
40 g Puderzucker (oder normale Raffinade)
50 g Mehl, gerne zu einem hohen Anteil (oder in Gänze) feine Speisestärke
3 Eier Größe L aus dem besten Hühnerbetrieb (eins mehr, wenn sie kleiner sind)
2 gestrichene TL löslicher Kaffee ohne Koffein
1 TL Schalenabrieb einer ungespritzten Zitrone oder Orange (fällt fluffig, kann also gern ein voller TL sein)
1 gestrichener TL fleur de sel ("Salzblume" = natürlich getrocknete Salzkristalle, die sich nicht so schnell auflösen)

Den Herd auf 180 °C vorheizen, dann Schokolade und Butter (Zimmertemperatur oder Flöckchen) im Stieltöpfchen schmelzen lassen. Wer Angst vor Anbrennen hat, macht das im Wasserbad oder legt eine kleine Metallscheibe auf den Gasherd, wie wir hier.

Eigelb von Eiweiß trennen. Eiweiß mit dem Zucker zu Schnee schlagen.

Wenn kein Puderzucker vor­han­den ist, kommt der Zucker später mit den Frucht­scha­len­schnip­seln hinzu.
Die Fett-/Scho­ko­mas­se mit dem Mehl ver­mi­schen, dann die Zi­trus­frucht­an­teile hinein, anschließend Eigelb, Salz und die anderen Würzmittel, am Ende den Eischnee behutsam un­ter­he­ben, dann den Teig in eine kleine, gefettete Kas­ten­form schüt­ten.

Wenn der Kuchen nach 20 Minuten Backzeit (bzw. 25 Minuten bei der Rundform) so wirkt, als wäre er nicht fertig: Der gâteau au chocolat wird in Frankreich als gebackene Mousse au chocolat verstanden. Wer es kuchiger mag, hänge zehn Minuten Backzeit dran (und reduziert ein wenig die Hitze). Wer es noch ku­chen­ar­ti­ger mag, mische zehn Gramm mehr Mehl mit etwas Back­pul­ver unter. Achtung: In diesem Fall die geschmolzene Schokomasse etwas abkühlen lassen, bevor der Teig verrührt wird, damit das Back­pul­ver seine Hauptwirkung in der Backröhre ent­fal­tet.

Es empfiehlt sich übrigens, immer Zutaten für einen Gâteau au chocolat im Hause zu haben, damit spontan ein Abendessen verlängert werden kann (und mehr Personen satt werden), aber auch, falls jemand das falsche Zuckerglas erwischen sollte. Ist mir mal passiert. Da hatte ich dann zweimal Salz im Kuchen. War ungenießbar, aber eine unauslöschliche Erinnerung: "Caroline, das ist doch die mit dem Salz­ku­chen!"

Das werde ich nie wieder los.

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Foto: C.E.

Freitag, 22. September 2017

Baubegriffe lernen

Bonjour, hello, guten Tag! Ob geplant oder zufällig, hier sind Sie auf die Web­sei­ten einer Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen) hineingeraten. Ich arbeite in Toulouse, Paris, Marseille, Berlin, Köln, München und mög­li­cherweise auch dort, wo Sie mich brauchen.

Handgemachte Dominokarten Bild<>Wort
Komplett handgemacht
Kollege Steffen Walter hat's bei der Recherche gefunden: ein viersprachige Glos­sar EN-FR-DE-ES zum nachhaltigen Bauen. Dem Namen nach scheint es direkt von der Be­ton­in­dus­trie zu kommen, lie­fert aber einige Grund­la­gen. Vielen Dank, lie­­ber Stef­fen.

Was mir hier am Glos­sar ge­fällt, sind die klei­nen Il­lus­tra­tio­nen zu den Be­grif­fen.

Sie haben das Format von Memorykarten. Ich schreibe Montag den Urhebern, viel­leicht ließe sich das ja als herunterladbare Spielkarten verlinken, die dann im Copyshop auf dünnen Karton ausgedruckt werden könnten. Das wäre das ideale Spielmaterial zum Lernen im Team.

Salat, Feder, Elefant, Dose ... Memorykarten mit Text
Von Hand ergänzt
Noch ein Lerntipp steckt in diesen Illustrationen drin: Begriffe selbst illustrieren, Grafiken erfinden oder Lo­gos für dies und das. (Daraus ließe sich bei Wunsch ein Spielkartensatz ableiten.)
Die Methode gehört zum Trick lear­ning by teach­ing. Oft reicht aber das dabei in­ves­tier­te Hirnschmalz, um den Begriff erfolgreich zu ver­an­kern.

Für Grundlagenbegriffe mit den Kleinen lässt sich auch ein handelsübliches Me­mo­ry­spiel zweckentfremden.

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 21. September 2017

Gemühüsebrühe

Bienvenue auf Blogseiten aus der Welt der Sprache. Wir Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher werden gerne mal von unserem Umfeld mit einem wandelnden Wörterbuch verwechselt. Das kommt nicht von ungefähr, denn unsereiner sammelt ständig.

Schuhulippen 2 Bund 1 Euro
Schlotten, nicht zu verwechseln mit Schalotten
In Berlin wohne ich in Marktnähe. Die dort aufzufindenden Stände und die Waren er­freu­en Augen und Nasen. Aber auch das Gehirn kennt seine Marktwonnen. Das dort entdeckte Schild "Granny Simitis" hat es in den privaten Ver­ball­hor­nungs­wort­schatz ebenso geschafft wie die Auf­for­de­rung "Esst Katsanien"!

Den Wettbewerb gewonnen haben al­ler­dings die Champions! Und Schluppen (alias Winterzwiebeln) sind die Grundlage jeder gu­ten Suppe.
In Neukölln werden in­des Schu­lup­pen genommen. Deutlich weiter im Westen, zum Beispiel in Char­lot­ten­burg, heißen sie noch Schlotten.

Stein-Champions 100 gr 1 Euro (Bioland)
Sieger!
Der Mitbewohner bietet mir ein Ge­mü­se­brü­hen­schlück­chen an. Oder ist es ein Gü­mü­se­brü­hühn­schlück­chün? (Ist das jetzt vegan oder mit Hühnchen?)

Zu mehr Ü als nötig neigen die Berliner. Dass das stümmt ist auf jeden Schulhof zu vernehmen. Und es ist einer der Gründe, weshalb sich viele türkischstämmige Mit­bür­ger überaus glücklich in Bürlün ein­ge­lebt ha­ben. A propos türkische Mitbürger. Einer zuverlässigen Quelle zufolge würde das obenstehende Wort von Türken Ge­mü­se­bü­rü­he­schü­lü­cke­chen ausgesprochen wer­den. Denn einem türkischen Mut­ter­sprach­ler sei es nicht möglich, zwei Kon­so­nan­ten hin­ter­ein­an­der auszusprechen.

Der Kommentar endet auf ein: "Es sei denn, er ist einsilbig."

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 20. September 2017

Abschied vom Sommer

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. Heute ein anderer Blick auf den Schreibtisch.

IPad mit Tastatur, Hand, Hund, grüne Wiese
In Frankreich
Drei tote Stechmücken im Bad, Schluss mit Mottenflug, der Herbstanfang morgen hat auch gute Seiten.

Ich muss den Kalender her­vor­ho­len, es gibt mehr Ter­mi­ne, als ich mir merken kann, und fleißig Angebote schrei­ben. Und ich hoffe noch auf ei­ni­ge schöne Tage in den di­ver­sen Outdoorbüros meines Spracharbeiterinnenlebens.

In einem solchen hatte ich neulich am Rande von Dreharbeiten sogar vierbeinige Hilfe. Ich bin sonst kein Hundetyp. Dieser Hündin war das aber piepegal. Sie hat sich meinen Fuß als Kissen ausgesucht und sich mein Übersetzungslektorat gerne laut vorlesen lassen. Dabei durfte ich dann sogar ein wenig Fell kraulen. Und ich bin dankbar, dass ich in meiner anderen Heimat etwas mehr von dieser Jahreszeit erleben konnte, denn ...

Berlinsommer

Was in Berlin so Sommer genannt wird.
Der Keller trocknet noch und auch der Schuh.
Weggehen, morgen Abend? Ach nee,
Es wird doch wieder schütten, aber sowas

Von nass wird's. Im Rinnstein ein Meer
Und die Tomaten schon wieder ersoffen.
Tage später steht die Luft. Der Eismann
Macht endlich die Deals seines Lebens.

Was in Berlin Sommer genannt wird, war
Früher mal besseres Aprilwetter. Balkon
putzen? Sitzkissen auf die Stühle dort?
Lohnt doch nicht. Komm lieber mit mir

Ins Kino. Aber vergiss die Jacke nicht.
Los! Heute! Wetter, echtes. Statt Büro
Die Räder angespannt und zum See ge-
radelt. Was in Berlin so Sommer heißt.

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Foto: C.E.

Sonntag, 10. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (7)

Im elften Jahr bloggt hier eine Dolmetscherin und Übersetzerin für die fran­zö­si­sche Sprache (und aus dem Englischen). Ich arbeite für Privatkunden, auf Kon­fe­ren­zen und europäischen Betriebsratssitzungen, Delegations- und Stu­dien­rei­sen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Diesen Sommer bin ich einmal quer durch Europa gereist. Ich war für den Beruf, im Ehrenamt sowie als Urlaubsreisende mit Familie unterwegs.

Am Pirita-Strand vor Tallinn kommen wir an und sehen zwei Nonnen am Wasser. Sie gehen ortsauswärts, es ist frisch, der Strand vor der estnischen Hauptstadt ist fast leer.

Nonnen am Strand
"Nonnen auf der Flucht" (sei ein Komödientitel, sagt der Mitbewohner)

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Foto: C.E.

Samstag, 9. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (6)

Hello, bonjour und guten Tag! Hier berichtet eine Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache über ihren Arbeitsalltag. Außerdem arbeite ich für Pri­vat­kun­den und europäische Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Stu­dien­rei­sen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Propeller am Flugzeug, Wolken, Landschaft
Fensterplatz
Teil sechs meines Som­mer­rei­se­rück­blicks. Auf der Reise ging es von Südfrankreich weiter nach Nordeuropa.

Eben noch durfte ich im franzö­si­schen Hoch­som­mer schwitzen, es waren bis zu 37 Grad Celsius, schon konnte ich mich auf eine Umgebung mit 17 Grad einstellen.

Zum Glück hatte ich Stulpen, Nieren- und Pulswärmer sowie Schals in der Tasche. In der kleinen Maschine hatte ich einen wun­der­ba­ren Blick auf die Technik.


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Foto: C.E.

Freitag, 8. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (5)

Ob geplant oder zufällig, Sie lesen hier auf den Blogseiten einer Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Ich arbeite auf Kon­fe­ren­zen und europäischen Betriebsratssitzungen, Delegations- und Studienreisen, für Medien und Festivals und auch für Privatkunden.

Kürbis-Mören-Orangensuppe_mit_grünen_Bohnen_und_Blüten_und_Kräuterschmand
Mit essbarer Deko
Sommerrückblick. Ich war viel für den Be­ruf, im Ehrenamt sowie im Ur­laub mit Fa­mi­lie unterwegs

Essen und Trinken hält Leib und Seele und so weiter. Wer hart arbeitet und viel un­ter­wegs ist, braucht bestes Futter. Ein kleines Platzhalterfoto zum Dank für die wunderbare Verköstigung unterwegs. In Nord- und Südfrankreich, in Paris und auch im Baltikum haben wir überall sehr gut gegessen.

Und manche Anregung für die eigene Kü­che mit­ge­bracht ...

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Foto: C.E.

Donnerstag, 7. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (4)

Bonjour, guten Tag, hello! Sie lesen im Blog einer Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache. Außerdem arbeite ich für Privatkunden und europäische Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Studienreisen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Dreharbeiten aus der Vogelperspektive
"Und bitte!"
Diesen Sommer war ich für den Beruf, im Ehrenamt sowie als Urlaubsreisende mit Fa­mi­lie unterwegs. Meine Rück­blicke bringe ich diese Wo­che.

Die Kamera war zu schwach: Wir sind privat untergebracht und dolmetschen tagsüber. Es ist heiß. Es ist sehr heiß. Ir­gend­ wann schlafe ich vor Er­schöp­fung ein.

Dann träume ich von Dreharbeiten. Ich wache auf, finde nicht mehr in den Schlaf zurück, nestele mir die Ohropax aus den Lauschern.

Und beobachte aus dem Fenster einen Nachwuchsdreh.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 6. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (3)

Bonjour, guten Tag, hello! Alltagsbeobachtungen aus dem Leben einer Dol­met­sche­rin können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit Französisch und aus dem Englischen. Meistens vertonen wir Konferenzen, werden auch für Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Studienreisen, für Medien, Festivals und Privatkunden tätig.

Ein ausgewachsenes Schwein in der Küche
Kein Haushund
Dritter Teil meines kurzen Som­mer­rei­se­rück­blicks und mei­ner Europareise. Bezahlte und ehrenamtliche Arbeit wa­ren ebenso Anlässe wie eine pri­va­te Familienreise.

Nördlich der Loireregion wa­ren wir bei einer Jung­bäu­erin zu Gast, die einen Hof be­treibt, der vielen Tieren, vor allem Schweinen, das Gna­den­brot anbietet.

Die meisten Tiere leben in ihren Ställen und Unterständen. Nur Rosalie, sie hat die ältesten Rechte hier, darf abends und nachts mit im Wohnhaus sein. (Demnächst auf Arte.)

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Foto: C.E.

Dienstag, 5. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (2)

Hello, bonjour und guten Tag! Sie lesen im Blog einer Konferenzdolmetscherin für die französische Sprache. Außerdem arbeite ich für Privatkunden und europäische Betriebsratssitzungen, bei Delegations- und Studienreisen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Drei Kindergarten- und Grundschulkinder rennen mit Koffern durch die Halle
Viel Schwung
Zweiter Teil meines Som­mer­rei­se­rück­blicks. Ich bin quer durch Europa gereist, und zwar für den Be­ruf, im Ehrenamt sowie als Urlaubsreisende mit Familie.

Auf dem Pariser Flughafen habe ich mich einige Male gelangweilt. Und ich war be­geis­tert über drei kleine Geschwister aus China, die mit dem Bord­ge­päck ihrer El­tern Kofferrennen gefahren haben. Die meisten Erwachsenen haben sie schmun­zelnd beobachtet. Und jene, die aus nicht erfindlichen Gründen nicht so begeistert davon waren, hat die grinsende Mehrheit zum Schwei­gen ge­bracht.

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Foto: C.E.

Montag, 4. September 2017

Sommerrückblick in Fotos (1)

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Ich arbeite für Privatkunden, auf Konferenzen und europäischen Betriebsratssitzungen, Delegations- und Studienreisen, für TV und Radio, im Kino und bei Festivals.

Alte Fassade mit Fenster
Irgendwo in Toulouse
Diesen Sommer war ich für den Beruf, im Ehrenamt sowie als Urlaubsreisende mit Familie unterwegs. Diese Woche schaue ich zurück.

In Toulouse haben mich verschiedene Din­ge begeistert: Die große zu­sam­men­hän­gende Altbausubstanz, die roten Zie­gel­stei­ne, die das wichtigste Bau­ma­te­rial in der Stadt darstellen, die in­nen­lie­gen­den Fensterläden, die Ver­zie­run­gen am oberen Fensterrand (für die ich noch keinen Na­men habe).

Und schön warm war's auch.


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Foto: C.E.

Freitag, 1. September 2017

Auf Diät

Herzlich willkommen auf den Sei­ten des ersten deut­schen Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Cannes und anderswo. Heute: Über die Bedeutung von  Hintergrundwissen. Wer etwas nicht weiß, muss wissen, wo es steht oder wo nachgefragt werden kann.

Wer Frankreich sagt, meint sehr oft Mode, Eleganz und gute Küche. Naja, und viel Meer als Grenzen und Sommerurlaub.

Gelbes Fernlicht
Inzwischen selten: gelbes Fernlicht
Mode und Essen passen nicht immer zusammen. Also meint, wer Frankreich sagt, auch Diät.
Das französische Wort diète bezeichnet nicht unbedingt eine besondere Form der Kasteiung mit dem Ziel der Gewichtsreduktion, sondern allgemeiner zunächst die Ernährungsweise, dann das Reduktionsprogram (als diète stricte).

Eine Kollegin hat neulich einen Blogtext über die genannten Themen übersetzt und darin stand dann: "Ich bin wieder auf Uber-Diät. Den ganzen Tag nur Bonbons und Mineralwasser.“

Uber, ausgesprochen "Über", ist der amerikanische Fahrdienstvermittler zur Ver­mie­tung von Privatautos über eine Mo­bil­te­le­fon­app, al­ler­dings kein Car sharing, sondern Wagen mit Chauffeur, eine Art Privattaxi.

Das mit der Diät sollte witzig gemeint sein. Die Übersetzerkollegin lebt in Deutsch­land. Es war sommerheiß. Ihr Gehirn würde sich zu langsam drehen, schreibt sie, als sie in der Runde des Netzwerks nachfragt, worin der Witz genau besteht.

Was nur weiß, wer mal in einer solchen Karre gesessen hat: In Uber-Autos werden Bonbons und Wasser kostenlos angeboten.

Und mit dem Wort Diät haben wir es hier teilweise mit einem "Falschen Freund" in Serie zu tun. Die Diät, die ein Politiker bekommt, das Wort kommt auf Deutsch dann im Plural vor, die Diäten, heißt auf Französisch indemnité parlementaire. Die deutsche Diät, die Abspecken zum Ziel hat, wird im Nachbarland un régime alimentaire genannt. Das politische Regime bleibt le régime politique. Und um die Verwirrung komplett zu machen, heißt Diätetik auf der anderen Rheinseite la diététique.

Falsche Freunde, faux amis, false friends: Begriffe, die wir zu glauben kennen, die aber in der jeweils anderen Sprache anders verwendet werden.

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Foto: C.E. (Archiv)

Mittwoch, 30. August 2017

Renditebau

Grußformel: Bonjour, hello, guten Tag. Wer spricht: Spracharbeiterin. Was? Fran­zö­sisch, Deutsch, Englisch (passiv). Wo: Dort, wo mei­ne Kunden mich brau­chen.

Manche Texte hier kommen kaum über die Konzeptform hinaus. Vor allem dann, wenn die Zeit knapp ist. Mein Blog = Ort des Nachdenkens über Sprache.

Aus der Baugeschichte, Stichwort Paris, Baron Haussmann, kenne ich das Wort mai­son de rap­port oder immeuble de rapport für Mietshaus. Auf Französisch steht allerdings der "Ertrag" etwas mehr im Vordergrund, ein My mehr als im Deutschen ([myː], altgriechisches Neutrum μῦ für Millionstel). Und dieses Haus, la maison, oder das Gebäude, l'immeuble, ist eher ein kühler Bau, aufs Wesentliche re­du­ziert. Ich fand "Renditebau" und war's zufrieden.

Hausfassade mit Balkon.
"Gläsernes Haus"
Dumm nur, dass neu­lich je­mand, der es ganz genau zu wissen meinte, aus maison de rapport ein Bordell gemacht hat ... wegen der Nähe zu rap­ports sexuels, wie die Begegnungen der Ge­schlech­ter auch genannt werden.
Es war auf einer in­ter­na­tio­na­len Konferenz. Mehr sag ich nicht, keine Zeit, das hier ist nur das Konzept eines Blog­ein­trags.

Und eher lustig denn traurig, dass mir dieser Fehler schon zum zweitem Mal be­geg­net ist: klick.

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Foto: C.E. (Filmstudio Babelsberg)

Montag, 28. August 2017

Stereotypen

Bienvenue! Absichtlich oder zufällig blättern Sie in meinem digitalen Arbeits­jour­nal. Hier berichte ich aus dem Alltag meiner Beschäftigung mit Sprachen. Ich dol­metsche aus dem Französischen und Englischen sowie in die französische Sprache.

Eine alte Dame aus der Nachbarschaft hat mich neulich zu sich reingebeten. Wir haben ein Nick-Grußver­hältnis, ich kannte ihren Namen nicht. Wir kamen zeit­gleich vom Markt zurück, und für den Folgetag war ich dann prompt zum Kaf­fee ver­ab­re­det. Ich brachte Blumen mit. Sie müsse mir etwas zeigen, hatte sie noch gesagt.

Woher sie weiß, dass ich mit Sprachen arbeite, weiß ich nicht. Als ich ankam, war der Tisch mit weißem Damast gedeckt, und eine Vase stand schon bereit. Neben dem einen Kuchenteller lag ein Stapel Bücher: fremdsprachige Werke, Sprach­kur­se und Reclam-Heftchen. Die Bücher seien von ihrem Gatten, sagt sie, und dass ich mitnehmen dürfe, was ich möchte. Der Nachmittag war über die Bücher hinaus auch spannend.

Der Englischsprachkurs liest sich wie ein Sitten­gemälde. Mir fielen vor allem das unironisch vorgetragene Geschlechterverhältnis auf. Eher einseitig, diese Ste­re­o­­typen; heute nicht mehr politisch korrekt. Naja, heute werden Fuß­ball­spiele ja auch nicht mehr monoral übertragen.

– Robert! – Yes, darling. – Must you listen that match? – Yes, I must, because I have ... – No, you needn't. Turn it off. – But it's interesting, isn't it? – No, it is not. Not for us. We are women.

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Illustration: TR-Verlagsunion, Name des Ur-
hebers nicht genannt, grafisch aufgearbeitet

Sonntag, 27. August 2017

Kundenvielfalt

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Mein Beruf ist einer der spannendsten der Welt, denn ich habe mit allen Ge­sell­schafts­schich­ten zu tun. Sonntagsbild!
 
Es ist unser vornehmster Auftrag, allen Menschen, die unsere Hilfe brauchen, sprach­lich beizustehen. Mit anderen Worten: Dolmetscher haben eine große Kun­den­viel­falt. Wir dol­met­schen für sehr unterschiedliche Kreise.

Kunde ohne blauem oder weißem Kragen
Dabei haben auch wir Grundsätze: Nie für Extremisten, alle müssen mit den Füßen auf dem Boden des Grund­ge­set­zes und der Menschenrechte stehen. Wobei ich mir bei einigen obersten Fi­nanz­"tech­ni­kern", die dafür sor­gen, dass ganz be­stimm­te Grup­pen ihre Steuern nicht mehr zahlen, son­dern ihre "Pflich­ten" auf exo­ti­sche In­seln ver­lagern, nicht sicher bin, ob diese wirklich auf dem Boden der Ver­fas­sung ste­hen. (Ich bin froh, dass diese "Tech­niker" nie unsere Dienst­leis­tun­gen nachge­fragt haben. Ich weiß nicht, ob ich für diese arbeiten würde.)
Bei anderen Dolmetschinteressenten weiß ich definitiv, dass sie von den Diensten be­­ob­­ach­tet wer­den.

Das ficht mich aber nicht an. Denn dabei handelt es sich um Vertreter der Zi­vil­ge­sell­schaft und gewählte Volks­ver­treter, z.B. das Bündnis "Aufstehen gegen Ras­sis­mus" (AgR), das Vertreter einer Re­gie­rungs­par­tei unterstützen, darunter Manuela Schwesig (SPD) sowie Vertreter der parlamentarischen Opposition wie Cem Öz­de­mir (Grüne).

Ich dekons­pi­riere hier, spreche die Lage offen an. So habe ich es als kritische West­ju­gend­li­che in der DDR ge­lernt. Hier habe ich keine Geheimnisse. Wir Dol­met­scher sind für die Verständigung ausgebildet und arbeiten, sofern alles rech­tens ist und der Demokratie dient.

Noch eine Gruppe, die mich nie angefragt hat, sind offizielle Stellen, die unlängst dadurch aufgefallen sind, dass sie gewisse Ermittlungsinformationen, die er­wie­sene, militante Staatsfeinde angehen, 120 Jahre unter Verschluss halten möchten (nicht nur der SPIEGEL berichtete).

Die Kundenvielfalt ist positiv. Einmal habe ich mit Streetworkern aus dem Pariser Vorort zwei Nächte lang in Neukölln obdachlose Jugendliche aufgesucht, ein an­de­res Mal mit belgischen Sozialarbeitern ein Haus der Treber­hilfe besichtigt. Wir Dol­­met­­scher leihen unsere Stimmen auch Menschen auf Konfe­renzen, die von Ge­flüch­te­ten selbst organisiert werden. Oder aber wir kommen im Rahmen von Aus­stiegs­pro­gram­men junger Drogenabhängiger zum Einsatz.

Nicht immer werden wir hier für unsere Arbeit bezahlt. Mancher Veranstalter kann auch ohne große Finanzierung für seinen Kongress, sein Seminar oder Panel au­ßer­halb der Hauptsaison mit ehrenamtlichen Spracharbeitern rechnen, wenn der Ta­gungs­zweck dem politischen und sozialen Diskurs der Zivilgesellschaft dient. Manch­mal be­kom­men wir nur Reisekosten und Spesen ge­zahlt.

Diese Einsätze folgen einer vierfachen Logik. Erstens hat die Allgemeinheit die Hochschulen finanziert, an denen wir studiert haben. Wir geben also zurück. Dann kann es nicht schaden, in der langen Sommerpause mal ein wenig die Neu­ro­nen durchschütteln zu gehen. Der Nachwuchs erwirbt sich Routine; wir Erfahreneren bauen eine weitere Sprache auf. Und schließlich dient auch jeder noch so kleine Einsatz der Fortbildung.

So konnte passieren, dass ich einst nach besagtem Job mit obdachlosen Ju­gend­li­chen zu Beginn einer Woche gegen Ende der nämlichen Woche im Kanzleramt zum gleichen Thema für Abgeordnete, Staatssekretäre und Minister ge­dol­metscht ha­be. In der Kaf­fee­pau­se bestätigte sich meine Befürchtung: Ich war die Einzige mit (auch noch so winziger) "Terrainkenntnis".

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Foto: C.E.

Samstag, 26. August 2017

Rechtsstaat

Was eine Fran­zö­sisch­dol­met­sche­rin so alles er­lebt, können Sie hier mit­le­sen. Ich ar­bei­te mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Der Samstag gehört (leider in letzter Zeit immer weniger*) dem Link der Woche.

Frau mit Rokokomaske
Im Jardin du Luxembourg
Mein aktueller Lesetipp: Heribert Prantl in der Süd­deut­schen Zeitung. Kernsatz: "Der Terrorismus hat das rechtsstaatliche Denken besetzt.


* ... es gibt einfach zu viel derzeit, das auf den Nägeln brennt.
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Foto: C.E. (Archiv)

Freitag, 25. August 2017

Die Perle

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, Potsdam und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch und Nachdenken über Wörter.

Eine Nachwuchskollegin funkt mich an: Hättest Du Zeit, mal kurz drauf­zu­schau­en? Kann ich schreiben "Für 50 Euro mehr wäre noch ein externes Lesen mit­drin­ne (vier-Augen-Prinzip)?"

Ich schlage vor: "Für zusätzliche 60 Euro wäre ein externes Korrektorat [re­lec­tu­res] inbegriffen (Vier-Augen-Prinzip)." Und ergänze: Bei mit Bindestrich "durch­ge­kop­pel­ten" Nomen gelten alle Bestandteile als ein langes Substantiv, daher wird gleich das erste Wort schon groß geschrieben. Und wo ich schon mal dabei bin: Bitte nie "mitin­begriffen" sagen. Das ist "doppelt gemoppelt", ein Pleonas­mus, umgangs­sprachlich und falsch.

Aus der eigenen Werkstatt
Sie antwortet: Merci, tu es vraiment une perle, je vais lui écrire ça. Sie greift meine Vorschläge auf, bedankt sich, nennt mich eine Per­le.

Moment mal! Auf Deutsch höre ich den Satz so: "Sie ist wirk­lich eine Perle!", sagt die eine Frau zur andren auf dem Spiel- oder Golfplatz. "Vielen Dank, dass Sie uns diese Putz­frau empfohlen haben!"

Die Übersetzer­kollegin darauf: Oui, une perle, c'est quelqu'un de précieux, parce que c'est quelqu'un qui peut donner des choses précieuses : par exemple une com­pé­tence sûre, ou la confiance, etc. (Eine Perle ist jemand, der sehr wertvoll ist, der Wertvolles weitergibt, sicheres Fachwissen, Vertrauen schenkt usw.)

Auf Deutsch ist die Perle eben mehr die "gute Fee" im Sinne von "gute Putzfee". Kann auch eine Haushälterin sein, also jemand, der für den ganzen Haushalt da ist. (Und hier: Bislang ein Frauenberuf. Der "Haushälter" sitzt im Finanz­ausschuss einer Regierung.)

Wir haben es bei der Perle um ein Lehnwort und eine leichte Wort­feld­ver­schie­bung zu tun. Die "Putzfee" gibt es auf Französisch übrigens auch, la fée du logis (wörtlich rückübersetzt die Haus­fee oder die Heim­fee).

Linktipp
Weiter mit dem Wortfeld: Die Perlenkettentussi (PKT)

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Foto: C.E.

Donnerstag, 24. August 2017

Straßenverkehrsordnung

Hier bloggt eine Übers­et­zerin und Dol­met­sche­rin. Fran­zö­sisch und Englisch sind meine Arbeitssprachen. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Me­dien und Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt In­nen­ar­chi­tek­tur. Hier einmal Mitlauschen am Telefon. Leider authentisch.

Money talks
Potentieller Kunde (PK, mit Schnapp­at­mung): Wie kom­men Sie eigentlich zu diesen Prei­sen? Mein Schwa­ger hat mir die Webseite für 150 € übersetzt. Mit all den Un­ter­sei­ten!
Ich: Ach, ist Ihr Schwager Über­setzer? Warum übersetzt er dann nicht auch ihren On­line-Ka­ta­log?
PK: Nein, mein Schwager ist Klempner.

Ich: Aha.
PK: Aber er hat lange in Frankreich gelebt und sein Vater war Franzose.
Ich: Und wie kam die Website  auf Französisch so an?
PK: Naja, wir haben nachträglich schon sehr viel ändern müssen. Die Kunden ha­ben uns darauf hingewiesen. Deshalb rufe ich Sie ja auch auch heute an.
Ich: Sehen Sie, das habe ich gemeint. Nicht jeder, der die StVO kennt, ist au­to­ma­tisch Taxi-, Bus- oder gar Rennfahrer.

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Foto: Archiv

Mittwoch, 23. August 2017

Living in oblivion

Zuällig oder geplant, Sie lesen jetzt einen Blogtext. Als Dolmetscherin und Übersetzerin arbeite ich mit der französischen und der englischen Sprache. Ich arbeite in Paris, Berlin, Toulouse, Hamburg, München, Marseille, Wien, Brüssel ... und zuhause.

Living in oblivion hieß vor über 20 Jahren mal ein Berlinalefilm, wörtlich: "das Leben in Vergessenheit", über Dreharbeiten, die auf hohem Niveau scheitern. Schönes Scheitern kenne ich.

Ich wohne im Altbau. Die Wohnungen haben stellenweise sehr dünne Wände. Das Büro liegt in der Wohnung. In den wärmeren Jahreszeiten arbeite ich oft mit geöffneter Balkontür und höre das Treiben draußen, das Café unten im Nachbarhaus, den Markt und seine Straßenmusiker. Das ist schön in Phasen, in denen ich die Kollegen allenfalls mittags in der Pause sehe.

Sonst gibt es derzeit zwei zauberhafte Momente bei mir zuhause. Wenn ich abends noch im Arbeitszimmer sitze und der Nachbar eine Schallplatte auflegt, um ein Gitarrenstück von Astor Piazzolla anzuhören. Er hört es jeden Abend, weil er es anschließend übt.

Der zweite zauberhafte Moment ist der, in dem er mit dem Üben aufhört.

Ich weiß, das heißt nicht mehr Schallplatte. Das ist auch kein Piazzolla da in der Wohnung neben mir. (Noch nicht.)



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Musik: Guitar Duo KM, "Oblivion", A. Piazzolla

Montag, 21. August 2017

Letztlich

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur.

Auf Flohmärkten kaufe ich gerne alte Büroobjekte, besondere historische Fo­to­gra­fien (huch, was für eine Überraschung für jene, die hier die letzten Wochen be­ob­ach­tet haben). Auch alte Schul- oder Notizhefte lassen mein Herz höher schla­gen — und werden letztlich auch genutzt. Es ist immer wieder über­ra­schend, wie groß das Angebot an alten Schreibwaren da draußen ist.

Gestern fand ich ein Heft, das vollständig leer ist, amerikanisches Format ... beim Blättern zuhause war dann doch eine Seite beschrieben. Eine To-Do-Liste mit dem unten ab­ge­bil­de­ten Résumé.

"Am Ende des Tages" höre ich auf Deutsch immer öfter. Es ist aber "schließlich", "letztlich" oder "in letzter Konsequenz" gemeint. "Letzten Endes" sei eine (falsche) Tautologie, meint Kollegin Rachel. Ich will ihr glauben.

I need to start thinking in terms of how I want to feel at the end of the day -> that means putting my time to productive use

Sonntag, 20. August 2017

Loulou

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Neulich war das in Paris.

Julie-Lou Dubreuilh von den Stadtschäfern des Vereins Clinamen
Ahnungslos sitze ich in der dritten Reihe. Noch ist alles Routine. In der ersten Rei­he: Die Interviewte, ab und zu gesellt sich ein Schaf zu ihr, das sie krault. Nicht weit von ihr entfernt steht der Tonmann, der ihre Stim­me mit der Angel ein­fängt.

Es geht um Urban farming, Tierhaltung und bäuerliche Landwirtschaft im Stadt­raum.

In Reihe zwei, es ist zugleich die Mitte unserer Interviewanordnung, sitzen Kame­ra­mann und Regisseur. Hier liegt auch mein Notizenblatt mit Fragen in Roh­über­set­zung.

Loulou and I
In der dritten Reihe bin dann ich. Ahnungslos. Schrei­­be mir Wör­ter auf, ver­dol­met­sche Teile eines In­ter­views für Arte. Plötzlich schaut mich die In­ter­view­te direkt an und kom­men­tiert trocken, was sie sieht: "Gleich frisst dir ein Schaf die Haare vom Kopf."
Es ist Loulou, die sich wenig später in Pose wirft zum Sel­fie mit Schaf. Dann läuft sie um mich herum, lacht keck in die Kamera.

Kurz darauf haben wir losgeprustet
Dann steht sie hinter dem Ka­me­ra­mann, zögert kurz, springt zwischen die ersten Reihen, landet mitten auf dem runden Faltreflektor, der am Boden liegt, um das Kon­ter­fei der Ge­sprächs­part­ne­rin zu erhellen, dann weiter. (Der Reflektor ist unbeschädigt.)


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Fotos: C.E.

Samstag, 19. August 2017

Aussichten

Hallo, bon­jour, welcome! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in und Über­set­zerin aus Pa­ris, Ber­lin und von dort, wo Sie mich brau­chen. Es ist Samstag und es folgen zwei besondere Links.

Fraktur oder Latein?
Das Wort "Klimawandel" taucht derzeit im Wahl­kampf nicht auf. Welche Worte hoch im Kurs der Parteien liegen, hat "Die Welt" untersucht: Wolkige Aussichten (Autor: Thorsten Mumme).

Zweisprachige machen oft un­ter­schied­li­che Erfahrungen mit dem Faktor Zeit, je nachdem, welches Zeitkonzept die Idiome so mit sich bringen: Link zum Artikel erschienen schon im Mai in The In­de­pen­dent (Olivia Blair).



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Illustration: Archiv

Donnerstag, 17. August 2017

Worte dazwischen

Wie Übersetzerinnen, Über­set­zer, Dolmetscherinnen und Dolmetscher arbeiten, können Sie hier mitlesen. Meine Arbeitssprachen sind (neben Deutsch) Französisch und Englisch (das Idiom Shakes­peares nur als Ausgangssprache).

Strandpromenade Brunshaupten (1931)
Neulich am Strand. Ich kom­me mit einer Psycho­the­ra­peu­tin und Masseurin aus Mar­seil­le ins Gespräch, die mich auf meine Deh­nungs­übun­gen an­spricht, denn der Tra­pez­mus­kel nervt mal wieder. Ich ha­be ge­ra­de eine Fort­bil­dung ge­dol­metscht.
Als die Nacht hereinbricht, diskutieren wir noch immer.

Sie verwundert vor allem, wie wir das machen mit dem Dolmetschen. Wie wir das, was gerade als Gedankenstrom entsteht, sofort übertragen können. Das geht nur, erkläre ich, weil wir antizipieren würden.

Wie ich denn mein Antizipieren vorbereite, will sie wissen. Wir Dolmetscher lesen uns ein (daher immer unsere vielleicht sogar nervigen Fragen nach Material), wir suchen das Netz ab nach Texten, Audio- und Filmdateien. Wir verbringen Zeit mit dem Thema und andren Quellen. Das kostet Zeit, dient aber alles der Sicherheit und dem Schweben. Ja, es hat etwas von Schweben, wenn ich jemanden simultan vertone. Durch das Vorwissen muss ich nicht 100 % meiner Energie aufs Erfassen und Umsetzen der Inhalte verwenden, ich kenne sie, ich kann mich vielmehr der Art widmen, wie die Dinge gesagt werden, den Rhythmus erfassen, die nächsten Schritte antizipieren. Im besten Fall bin ich fünf Sätze weiter, weiß, wo der Text hinwill, ähnlich wie der Redner.

Die Gefahr liegt dabei natürlich immer in der Selbstüberschätzung. Bei an­ge­fan­ge­nen Halbsätzen, die sich erst Halbsatz für Halbsatz erschließen, muss ich mich mal zurückhalten, mal darf ich vorpreschen und das Verb, das im Deutschen ja immer am Ende kommt, vorwegnehmen. In 95 % der Fälle geht das gut. In fünf Prozent folgt dann ein rhetorischer Schlenker: "Ja, das wäre jetzt logisch gewesen, es ist aber genau andersherum." Oder: "Hier hat sich die Dolmetscherin verhört, das Ge­gen­teil ist der Fall, pardon !"

Sie mache als Therapeutin das Gleiche, sagt sie, sowohl in der Gesprächs- als auch in der Körpertherapie. Und auch sie würde manchmal daneben liegen. Der Kör­per indes, meint sie, würde nicht lügen, mitunter spüre sie Vorgänge, die tief im nicht­sprach­li­chen Feld liegen würden. Wochen oder sogar Monate später erfahre sie meis­tens die Bestätigung ihrer Beobachtung. Ihre Irrtumsquote liege deutlich nie­dri­ger.

Ich fand diese Parallelisierung spannend. Und es hat mich wieder einmal im Wissen darin bestätigt, dass auch wir viel von der Körperhaltung ablesen. Freie Sicht auf die Rednerinnen und Redner ist wichtig!

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Foto: Archiv

Mittwoch, 16. August 2017

Home-office-Tage

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Heute: Blick auf einen Schreibtisch.

Mann am Gründerzeitsekretär
Home-office um 1900
Der "möblierte Herr", was mein Mit­be­woh­ner ist, sitzt derzeit auch mit in meinem Bürozimmer. Wir können gut in ein- und demselben Raum arbeiten, ver­strö­men je­weils gute Atmosphäre in diesem wech­sel­haf­ten Sommer, in dem die meisten Kol­le­­ginnen und Kol­le­gen sich an ir­gend­wel­chen Stränden tummeln.

Das ist der Nachteil dessen, wenn keine schul­pflich­tigen Kinder mit im Haushalt leben: Ein eigenständiges Sommer- und Urlaubsgefühl entwickeln zu müssen, denn irgendjemand muss ja die Stellung halten. Der Mann, der hier ohne Ameublemang mit einzog, macht sich auch gut in Sachen Tee­kochen.

Erholung von der Wortarbeit mit visuellem Schnickschnack: Erfreut hat mich heute ein Quiz in Sachen Bürodesign, das "Spiegel Online" in Umlauf gebracht hat und das sich als schwerer entpuppt als gedacht.

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Foto: Archiv

Montag, 14. August 2017

Gröblich unhöflich: spoilern

Hier schreibt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Englischen). Das Sommerbüro ist aktiv, jedoch nicht für das Übersetzen von amtlichen Dokumenten. Außerdem schreibe ich bei Bedarf um und wirke an der Projektentwicklung mit.

Frau im Buero, Schreibtisch, Foto schwarz-weiß
Einst im Büro
Im Büro mit Kollegen. Demnächst startet ein Film, den ich vor etlichen Monaten übersetzt habe, damals suchte die fran­zö­si­sche Produktionsfirma deutsches För­der­geld. Ich trage den Termin in den Event­ka­len­der ein.

"Kommst du mit?", werde ich gefragt. Na­tür­lich komme ich mit, auch wenn ich schon weiß, wie es ausgeht. Aber ich ver­ra­te nichts, ich will ja nicht spoilern.

Den Be­griff "spoi­lern" hö­ren wir erst seit ei­ni­gen Jah­ren. Die Film­kri­ti­ke­rin im Hör­funk: "Mehr sage ich jetzt nicht, das Pub­li­kum soll sich ja über­ra­schen las­sen dür­fen, kein Spoilern!"

Der Begriff kommt vom Englischen to spoil ("verderben“). Wenn zu viele In­for­ma­tio­nen im Vorfeld verbreitet werden, sinkt angeblich der Genuss- und Un­ter­hal­tungs­wert verschiedenster medialer Erzeugnisse: Buch, Bühnenprogramm, Film, Serie, Fußballaufzeichnung oder Computerspiel.

Folglich entstand das Wort der Spoilerwarnung. Das ist ein implizites: "Leute, hört oder seht mal kurz weg, wenn ihr die Auflösung oder den Namen des Mörders nicht bereits im Vorfeld wis­sen möchtet." Spoilern gilt als gröblich unhöflich. Daher er­öff­net dieses Wort eine neue Reihe.

Ob der Genuss durch die Vorwegnahme des Endes wirklich gemindert ist, darüber streiten übrigens die Fachleute. Ich selbst lese (wenn ich mal Krimis lese) auch ger­ne relativ früh die letzten Seiten und kann dann besser beobachten, wie sich was anbahnt (Nebengeleise, die sich als Finten herausstellen zum Beispiel, aber auch die Lösung des Falls).

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Foto: Archiv

Sonntag, 13. August 2017

Das Nichtfoto

Bonjour und hello und guten Tag! Was Dol­met­scher und Über­setzer so alles er­le­ben, können Sie hier ab und zu erfahren. Manch­mal verlasse ich die Kabine oder den Überset­zer­schreib­tisch und lande mitten in meinem zweiten Heimat­land. Sonntagsbilder!

Neulich in Saint-Denis im Norden von Paris: Eigentlich müsste es andersherum lau­ten, nämlich das Kaff Paris bei der berühmten Stadt der Abtei von Saint-Denis. Hier sind im Mittelalter und in der Renaissance die französischen Könige zu Dut­zen­den beerdigt worden, darunter auch zwei, deren Namen ich als Kind bzw. Ju­gend­li­che geliebt habe, le bon roi Dagobert und Pépin le Bref (Pippin der Kurze, der Va­ter von Charlemagne = Karl der Große). Auf Französisch bezeichnet le pépin ei­nen kleinen Kern (z.B. in Trauben), aber auch ein kleineres Problem. So heißen nor­ma­ler­wei­se Könige in Kinderbüchern!

Mit einem Team, das für Arte Deutschland einen Film dreht, bin ich als Dol­met­sche­rin und Frankreichfachfrau unterwegs. (Was wir drehen, beschreibe ich mal später in der Woche. Aber ich bin auch dafür da, dass ich dem Regisseur sage, dass jeder Schüler in Frankreich von der Basilique gehört hat und dass es schön wäre, diese in die Liste der Establishing shots aufzunehmen.)

Andere Bilder sprechen von der heutigen Wirklichkeit. Wir registrieren sie, ohne sie aufzunehmen: Auf den Mittelinseln zweier Ampelkreuzungen sitzen Frauen mit kleinen Kindern auf dem Schoß. Sie halten Pappschilder in die Höhe, famille de Syrie, "Familie aus Syrien", und erbitten Spenden von den Wartenden. Wir sind hier mehrfach vorbeigekommen. Ich konnte auch beim dritten Vorbeifahren diese Sze­nen nicht fotografieren, somit wird es mein Nichtbild des Sonntags.

Am Abend ergab sich dann doch noch ein Sonntagsfoto. Ich weiß nicht, warum hier so viele Uniformierte vor der Kathedrale herumstanden, aber die Jungs auf ihren Zweirädern hatten echt einen schönen Schwung drauf.


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Foto: C.E.

Mittwoch, 9. August 2017

Abendschicht

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten. Als Dol­met­scherin und Über­setzerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Versailles, München, Toulouse und dort, wo man mich braucht.

Dummer Spruch, leider wahr: Selbständige arbeiten selbst und ständig. 

Noch Bakelit-Telefon, schon Tesafilm
Zu Beginn des Jahres bin ich einige Wochen durch einen langwierigen grippalen Infekt ausgefallen, dann gab es eine Zeit, in der ich nicht genug gesehen habe, um kon­zen­triert zu arbeiten.

Ich hole also nach. Den Frei­be­ruf­ler­bo­nus lobe ich indes auch: Ja, es kommt vor, dass ich einen langen Tag am See verbringe.

Aber es stimmt auch, dass darauf schon mal 'ne Abendschicht folgt. Statt Er­leuch­tung hab ich nur Licht auf dem Tisch.

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Foto: Archiv

Dienstag, 8. August 2017

Kindheit in Deutschland

Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin für die französische Sprache und aus dem Englischen. Neulich traf ich eine frühere Lehrerin wieder. Sie wollte wissen was ich beruflich mache.

Schaukepferdritter
Als sie meine Ant­wort hörte, reagierte sie enttäuscht. Sie mein­te, dass sie große Stücke auf mich gesetzt habe. Dol­met­schen nannte sie einen "Pa­pa­gei­en­be­ruf". Fin­de ich nicht, denn das Vo­ka­bu­lar der gefiederten Zeit­ge­nos­sen ist begrenzt und Pa­pa­gei­en wis­sen nicht, was sie sa­gen. Au­ßer­dem ist Sprach­ar­beit sehr kreativ.

Kleine Kaufmänner
Kindheitsbilder
Und für ein eigenes Schreib­pro­jekt sammle ich nun Be­rich­te aus der Kindheit frü­he­rer Jahr­zehn­te mit Schwer­punkt 1910-er bis 1940-er Jahre. Wer Menschen kennt, die etwas berichten möchten, möge mir eine Mail schreiben (Kon­takt: siehe un­ten). Ich rei­se mit Pro­fi­ton­­tech­nik an, was auch für die Fa­mi­lien und Nach­fah­ren der Inter­view­ten in­te­res­sant sein kann.

Besonders interessieren mich Spiele, Dumme-Jungens-und-Mädchen-Streiche, Wohnwelten, Blick auf Menschen anderer Herkunft und Religion, Eifersucht unter Geschwistern sowie die Berichte von U-Booten, von im sogenannten Dritten Reich Untergetauchten.

Auch Erzählungen über den 1. Schultag interessieren mich, hier auch die von in anderen Jahrzehnten geborenen Men­schen.

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Fotos: Privatarchiv
Kontakt: caroline@adazylla.de

Montag, 7. August 2017

Im Kontor

Bonjour, hier schreibt seit nunmehr mehr als einem Jahrzehnt eine Dolmetscherin und Übersetzerin. Oft reise ich mit meinen Sprachen. Heute ist es ein bisschen eine Reise in der Zeit.

 Gruß aus dem Kontor. Dieser Tage redigiere ich eine größere Übersetzung.

Ob die Herren wohl mit Kolonialwaren gehandelt haben?
Ein Teil der Vorlagen wurde auf af­ri­ka­ni­schem Französisch ge­schrie­ben. Dieses Fran­zö­sisch ist stellenweise so viel schöner als die moderne Sprech­­wei­se, wie sie im Mut­terland die­ses Idioms heute üblich ist, so viel ur­sprüng­li­cher, was mit der Kolonialzeit und den geo­gra­fi­schen und sozialen Orten der Bewahrung zu­sam­men­hängt.

Französisch scheint in Afrika viel eher die Sprache von Politik, Verwaltung und Kul­tur zu sein als von Einkaufen, Hausputz und Nachbarschaftsärger.

Stellenweise klingt es in meinen Ohren allerdings fast pathetisch. Ich weiß, es ist hier nur besonders höflich gemeint, besonders förmlich und soll Gefühle eigentlich verbergen. Es wirkt auf mich wie ein Zwitter aus "Kanzleideutsch" und der Lyrik von Poesie­al­ben.

Das auf Deutsch wiederzugeben führt zu fünf, ja sechs Überarbeitungsstufen. Denn der Duktus soll am Ende durchscheinen, der Text etwas Lokalkolorit haben, sonst aber nicht vom Wesentlichen ablenken.

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Foto: Archiv (sächsisches Kontor, 1910,
zum Vergrößern in ein zweites Fenster laden)

Sonntag, 6. August 2017

Lese-, Arbeits- und Freundesonntag

Hier bloggt eine Spracharbeiterin. Was Dolmetscher für Französisch, Deutsch und Englisch (bei mir nur Ausgangssprache) so machen, können Sie hier mitlesen. Sonntags werde ich privat: Sonn­tags­fo­to.

Der Titel sagt schon wieder alles. Der bittere Moment ist der: Als ich beim Kaf­fee­trin­ken nach dem Spaziergang abbrechen und zum Schreibtisch eilen muss, weil ich mich abends schon wieder mit der nächsten Freundin treffe.


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Foto: C.E.

Donnerstag, 3. August 2017

Sommerbüro mit Medien

Bonjour, hello und guten Tag! Wie Dolmetscherinnen arbeiten, können Sie hier mit­le­sen. Ich dolmetsche bilateral Deutsch-Französisch und aus dem Englischen. Es ist Hochsommer und heiß. Hoch geht's auch im Büro her.

"Mehr von Mademoiselle Moreau!", wünschen sich gleich drei Leserinnen und Leser. Der am Montag verlinkte Bericht über eine Geburtstagswürdigung war schon die ei­ne besondere Geschichte mit ihr. Viel mehr habe ich eigentlich nicht zu bieten. Bei späteren Begegnungen war sie viel gelassener, mütterlicher.

JM schaut beim Auswerten von Drehmaterial zu
Sie hat mir das Muschelnessen beigebracht und meine Stim­me gelobt. Und das, was sie über Truffaut erzählt hat, deckt sich mit dem, was ich seit einer Truffaut-Re­tro­spek­ti­ve im Kino aus den 1990er Jahren weiß, die ich ver­dol­met­schen durfte. Damals hat Robert Fischer aus München im einstigen Berliner "Kino am Steinplatz" eine Retrospektive veranstaltet.

Aus dieser Zeit rührt auch meine Bekanntschaft mit der Tochter Truffauts her, de­ren Erzählungen über ihren Vater sich mit dem deckt, was ich von Mademoiselle M. erfahren durfte. Dieser berühmte Regisseur stand also mehr im Focus als eine sei­ner Heroinen. Und dann habe ich Madame natürlich oft in den Filmen anderer und Theater gesehen.

Im Hochsommer ist Theaterpause. Passt, denn ich habe ohnehin Hausarrest. Ar­bei­te mich durch ein größeres Übersetzungslektorat hindurch, zwischendurch dol­met­sche ich (mit Stichworten vorbereitet) für den Schneideraum gedrehtes Material für eine Arte-Produktion, die Notizen auf dem IPad sind ohne Sonderzeichen, ich warte auf die deut­sche Tastatur. Organisiere nebenbei eine Farsi-Dolmetscherin für ein Wohnheim, eine Geflüchtete braucht Begleitung zum Arztbesuch und die übli­chen Stellen, Vereine, gGmbHs etc., scheinen im Urlaub zu sein.

Zählerstände und Wörter
Arbeit = Passion. Manchmal auch im Sprachbüro.
Am Abend pro­me­nie­ren wir über heißes Pflaster und das Ufer des Land­wehr­ka­nals entlang. Am Was­ser steht ein Klavier auf ein­em Brett­wä­gel­chen, wie Um­zugs­­leu­te sie ha­ben. Es wird vierhändig be­spielt. Die Mau­er­­seg­ler (oder Turm­schwal­ben) verbringen ihre letz­ten Berliner Aben­de vor dem Ab­flug nach Af­ri­ka; ihre spit­zen Schreie werden mir bald feh­len.

Normalerweise habe ich in diesen Wochen stets meine Einquartierung, feste Be­suchs­gäs­te mit festen Zeiträumen. Dieses Jahr bekomme ich aus diversen Gründen zum ersten Mal keine Sommergäste. Dafür ist der Schreibtisch voll. Denn alles neu macht heuer ... der August. Und zwischendurch sehe ich mir alte Filme mit Jeanne Moreau an. Im Netz gibt es so manchen. Und über das Arte-Projekt be­rich­te ich später mal.

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Fotos: C.E.

Mittwoch, 2. August 2017

Auf dem Schreibtisch XXXXIV

Guten Tag oder guten Abend! Sie sind mit­ten in ein Ar­beits­ta­ge­buch hinein­ge­ra­ten, in dem sich al­les um Spra­che, Dol­met­schen, Über­setzen und Kult­uren dreht. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Pa­ris, Berlin, Toulouse, Frankfurt und dort, wo man mich braucht. Heute wieder: Blick auf den Schreibtisch.

Spuren im Asphalt
Sicher nicht nachhaltig
Es ist heiß in Berlin. In der Stadt fliegen die fremden Sprachen nur so durch­ein­an­der, Berlin ist voller Tou­ris­ten.

Der Schreibtisch beschäftigt mich einige Stunden am Tag. Manchmal helfe ich, für Not­fäl­le Kollegen zu finden oder springe selbst ein.

Was steht an?

⊗ Textlektorat Burkina Faso, spannende Sachen, die einiges an Re­for­mu­lie­rungs­ar­beit erfordern
⊗ Allgemeine Politik und Krisen (Vorbereitung)
⊗ Gedrehtes Material (Arte)
⊗ Situation von Journalisten in Krisenländern (Nachbereitung)
⊗ Eigene Schreibprojekte

Ich arbeite an zwei Büchern. Das eine, ein illustriertes Kinderbuch, trage ich seit Jahren mit mir he­rum, es drängt mit Macht an die Luft. Das andere befindet sich in der frühesten Konzeptionsphase.

Ganz nach dem Motto: Wer schreibt, der bleibt. Oder so: Ich wollte schon immer mal bleibenden Eindruck hinterlassen.

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Foto: C.E. (Spur hinterlassen in Frankfurt/Main)

Montag, 31. Juli 2017

Mademoiselle

Herzlich willkommen auf den Sei­ten des ersten deut­schen Web­logs aus dem In­ne­ren der Dol­met­scher­ka­bi­ne. Hier schreibt ei­ne Fran­zö­sisch­dol­metscherin über ihre Einsätze in Ber­lin, Paris, Cannes und anderswo.
 
Heute ist ein weiteres "Fräulein" des französischen Filmschaffens von uns ge­gan­gen, Mademoiselle Jeanne Moreau, auf das "Mademoiselle" wurden wir Dol­met­scher seinerzeit vom Protokoll der Berlinale hingewiesen. Merci beaucoup, JM !

Ich bin traurig. Wiederholt durfte ich für sie dolmetschen. Unsere erste Begegnung war für uns beide allerdings stressig. Hier: "Ins Off gesprochen". Und es folgt ein zweiter Link, Gedanken über die Verwendung des Wörtchens "Fräulein".



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Filmausschnitt: Jules et Jim, François Truffaut

Sonntag, 30. Juli 2017

Meow

Was eine Französischdolmetscherin so alles erlebt, können Sie hier mitlesen. Ich arbeite mit den Sprachen Französisch und Englisch. Meine Fachgebiete sind Politik und Wirtschaft, Medien/Kino, Kultur, Soziales, Ökologie und Architektur mit dem Schwerpunkt Innenarchitektur. Der Sonntag ist meistens privat: Sonn­tags­fo­to!

Der Fotoapparat als Sehhilfe. Und der Sonntag als Tag des Ausspannens und Tref­fens mit Freunden. Gute Brötchen, Wildkräuterpesto, Käse, Obst, so gehen auch Urlaubstage los. Dann Kunstbetrachtungen am Computer. Die Katze sonnt derweil ihr Fell. Unten das einzige Foto, in dem sie nicht wie eine sandfarbene Wiese vor dem Blumenkasten liegt.

Auf dem "sozialen" Netzwerk Facebook gelten Katzenbilder als der Renner für Klicks, als Mittel, um andere zu besänftigen (Spiegelneuronen) und überhaupt: Katzen, die Erfinder des Internets ist die schönste aller Urbanen Legenden, die ich kenne.

Vokabelnotiz
meow — Miau auf EN
miaou — Miau auf FR

Fensterkatze vor Blumenkasten, Baumgrün und Häuserwänden
Berliner Hinterhofidyll
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Foto: C.E., Bonjour à C.L. und D.B.

Freitag, 28. Juli 2017

Scharmützel

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt eine Übersetzerin und Dolmetscherin. Morgendliches Zeitunglesen mit den Fingern auf der Tastatur.

Wäre ich Spracharbeiterin mit dem Schwerpunkt Englisch geworden und im Bereich aktuelle Politik gelandet, ich würde mir jetzt ein anderes Arbeitsfeld suchen. Sprach­unterricht ist ja eine schöne Sache. Oder das Übersetzen von Büchern.

Amerikanisches Englisch ist das Stichwort. Auch der neue Pressesprecher des Wei­ßen Hauses, Anthony Scaramucci, unterläuft zuverlässig die Standards. Das ken­nen wir von dieser Regierung schon. Aber wie las­sen sich solche Aussagen halb­wegs an­stän­dig übertragen, ohne selbst in den Ver­dacht der Obs­zö­ni­tät zu gelangen? Gar nicht. Denn so manches ist derzeit in der Politik unglaublich. In einem Interview mit dem New Yorker sagte dieser: I’m not Steve Bannon, I’m not trying to suck my own cock.

Nomen est omen. Der Name Scaramuccio stammt aus dem italienischen Volks­the­ater Commedia dell'Arte und geht auf das Wort scaramuccia zurück, "Schar­müt­zel". Hier sind verbale Scharmützel gemeint, Wortgefechte, er sich mit den an­de­ren Fi­gu­ren liefert. Ebenso wird der Name auf den Fakt zurück­geführt, dass Sca­ra­muc­cio am Ende der Stücke regelmäßig vom Harlekin verdroschen wird.

Scaramuccio
Scaramuccio
Vielleicht sucht der/die Übersetzerin mittels einer Suchmaschine nach einer halbwegs taug­li­chen Übertragung. Wobei wir Sprach­ar­beiter ohnehin nicht "klassifiziert" werden können durch unsere ständigen komischen Wort­suchen. Vor einigen Wochen hatte ich Doku­mente einer Straf­sache auf meinem Tisch. Was ich da an Be­grif­fen nachschlagen durfte, war auch höchst abenteuerlich. Aber eben Rot­licht­mi­lieu.

Was die Suchmaschinenbetreiber wohl von un­ser­ei­nem denken? Kurz darauf lag ein Arztbrief auf meinem  Tisch, dann Auszüge aus ei­nem Scheidungsurteil. Ich bin froh über mei­nen Ad-Blocker und tant pis, sei's drum, dass ich damit nicht frei surfen kann. Werbung nervt ohnehin.

Vor allem bekomme ich nicht automatisch irgendwelche "meinen In­te­res­sen" ent­spre­chen­de Werbung an­gezeigt.

"Stil ist alles", sagte James Joyce einst. Der Glückliche, er kannte die modernen Algo­rithmen noch nicht.

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Illustration: Maurice Sand, Masques et bouffons
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