Dienstag, 30. August 2016

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nert) über den Be­ruf.

caroline@adazylla.de, derzeit am besten 
unter +49(0)172 499 8902 erreichbar!
Ich biete Ihnen:
mehr als 15 Jahre Erfahrung
DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Kul­tur, Wirtschaft und Handel, Medien, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, Luxusgüter, deutsch-fran­zö­si­sche Be­zie­hun­gen und Lan­des­kun­de, Ur­ba­nis­mus, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Berlins und DDR, Afrika (Wirt­schaft/Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche (schrift­lich die stär­ke­re Sprache), z.B. Dreh­buch, Film­auf­nah­men, Webseite, Projekt, För­der­an­trag
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
— für Politiker (*), Wissenschaftler, Fir­men- und Pri­vat­kun­den, Filmmitarbeiter usw.
ZUSAMMENSTELLUNG von Kollegenteams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jeder Einsatz ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient für das von Ihnen gezahlte Honorar, das bei uns Freiberuflern fast ausschließlich in die Arbeit fließt (da wir Marketing, Verwaltung und Management selbst machen und die Grundkosten gering halten).

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— Synchronbücher für Dokumentarfilm, Exposés (Rewriting), Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt. 


Hier, zu welchen Inhalten ich 2015 und 2014 aktiv war sowie einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Réseau d'interprètes indépendants, pas d'agence ! Paris, Berlin, Französisch, Deutsch, simultan, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris, interprète de conférence et d'accompagnement, chuchotage, Drehbuchübersetzung, traduction de scénario.
(*) und selbstverständlich jeweils auch die -innen! +491724998902, 01724998902, +0049172 4998902
______________________________
Foto: Dr. des. Friederike Elias

Novlangue

Hier be­grüßt Sie ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin, auf de­ren Sei­ten Sie ge­­plant oder zu­­fäl­­lig ge­lan­det sind. Ob in Berlin, Paris, Schwerin oder Lille, ich arbeiter überall als Dol­met­schern und Übersetzerin. Als Berufssprecher hören wir jede Form der Stimm­ver­än­de­rung, die meistens auf Inhalte zurückgeht.

Der Redner wechselt von Körper- zu Kopfstimme. Das ist ein klares Anzeichen von Stress. Er berichtet über das soziale Deutschland, über "Arbeitsscheue", "Hartz-IV-Dynastien", über "Fitmachen" für die Arbeitswelt und über die "soziale Hän­ge­mat­te".

Gesehen in Neukölln
Das ist die Sichtweise, bei der Menschen nur nach ihrer Teilnahmemöglichkeit am Er­werbs­le­ben beurteilt werden. Eine ziem­­lich einseitige Wahrnehmung, wie ich finde.
Wir sind bei einem Hin­ter­grund­ge­spräch in irgendeiner Regierungsstelle, Vertreter des Staats und ein Kirchenmann, fran­zö­sisch­spra­chige Gäste. Der Kirchenmann fängt nun an, von einem ganz anderen Menschenbild zu sprechen. Obwohl keiner Glaubensgruppe angehörig, gefällt mir diese Darstellung viel besser. Zumal es ja eigentlich gar kein Problem mit Ar­beits­lo­sen gibt, sondern nur mit der oft man­geln­den Bildung, mit Art und Menge sowie der Verteilung der Arbeit.

In der Kaffeepause spricht mich Redner Nummer Eins an. Wie lange es denn brau­chen würde, bis meine Arbeit von Maschinen erledigt werden würde, fragt er. Das kommt nie, sage ich, denn Menschen sind immer zu komplex und zu individuell in ihren Äußerungen, vermischen Soziolekte, stottern und sprin­gen in den Ge­dan­ken. Um dem zu folgen, braucht es ein menschliches Gehirn. Und ich deute an, dass mir die Worte des Geistlichen viel besser gefallen hatten als seine. Der Kri­ti­sier­te schaut sich kurz um und sagt dann mit leiser Stimme, dass er hier die Meinung sei­nes Amtes wiedergegeben habe, nicht seine eigene. Die Verabschiedung erfolgt mit Handschlag und Augenzwinkern.

NeusprechNewspeak Novlangue
bildungsferne Bürger — bildungsferngehaltene Bürger
sozial schwache Menschen — wirtschaftlich schwache Menschen
Leistungsloses Einkommen bezeichnet in meinen Ohren nicht den Bezug von Hartz IV, sondern Renditen und rentenähnliche Einkommenssituationen aufgrund der un­ge­rech­ten Vermögensverteilung. Die Übersetzung gains sans avoir à fournir de tra­vail ist mir zu lang. Mal schauen, was sich neben une rente künftig einbürgert.


P.S.: Die Frage wird oft gestellt, wie es mir denn damit gehe, Meinungen zu ver­dol­met­schen, die ich nicht teile. Mir geht es total gut damit, denn ich übertrage Stim­men im Meinungsaustausch, und da ist es gleich, ob es Wörter sind, die in der Me­dien­ar­beit gebraucht werden oder in der Politik. Es ist eine zutiefst de­mo­kra­ti­sche Arbeit. Und weil oft kaum jemand dafür zahlt, dass sich auch die Schwächsten der Schwachen ausdrücken können, bin ich daneben ehrenamtlich in der Arbeit mit Ge­flüch­te­ten tätig.
______________________________
Foto: C.E. (Archiv); Gruß + Dank an M.W.
(MUC) für die Erinnerung an ein Wort!

Montag, 29. August 2016

Auf dem Schreibtisch XXXV

Bonjour, hello, guten Tag! Hier schreibt eine Sprach­ar­bei­te­rin über den Be­rufs­all­tag als Dol­met­sche­rin für Fran­zö­sisch (und Über­­­set­­ze­rin). Ich arbeite für ins­ti­tu­tio­nel­le und private Kunden in Marseille, Paris, Berlin, Leipzig und fast überall dort, wo Sie mich brauchen!
 
Das Zeitungslesen gehört bei uns zur Tätigkeitsbeschreibung. Und ja, das hat was von Arbeit, es sind täglich einige Stunden, ich muss verarbeiten, den einen oder an­de­ren Artikel ausschneiden, herunterladen oder ausdrucken und bearbeiten und im richtigen Dossier ablegen, mir Begriffe überlegen und die anderen, bereits ge­fun­de­nen, nochmal überfliegen, das Glossar ergänzen.

Bearbeitete Seiten
Kleinteilige Arbeit
Dabei sind allgemeine Politik, Film- und Medienwirtschaft, Architektur und Stadt­pla­nung ebenso mein Thema wie Bio­plas­tik, Permakultur und Agro­­forst­­wirt­­schaft als Le­se­the­ma. Diese Woche kommen hinzu: Ein Technikthema für die internationale Funk­aus­stel­lung (IFA), eine Web­sei­ten­über­set­zung, ein Text über die Arbeitswelt und wieder Krieg und Flucht und Asyl.

Zurück zu Bioplastik. Konkrete Wege aus der Wirtschaftskrise finde ich immer be­son­ders spannend. Die Welt ersäuft in Plastikmüll, der aberhunderte von Jahren braucht, um zu "zerfallen", wobei er von den Gezeiten nur zu immer kleineren Par­ti­keln zermahlen wird. Damit nähert es sich dem Mikroplastik an, dem Asbest des beginnenden 21. Jahrhunderts. (Weiterlesen hier: Isolierung, das Thema begleitet mich seit 2012, und die Politik hat es noch immer nicht erreicht.)

Wenn wir nicht schleunigst aufhören damit, die Natur als Müllkippe zu miss­brau­chen und anfangen, den Müll wieder einzusammeln, wird bis zum Jahr 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Weltmeeren schwimmen. (Weiterlesen hier: "Kunststoff im Ozean", SZ.)

Dabei gibt es längst Alternativen. Seit 2014 forschen deutsche Unternehmen an der Herstellung von Kunststoffgranulat aus Casein (hier ein Bericht, "Kunststoff aus Milch", SWR). Nordamerikanische Wissenschaftler haben neulich Milchproteine als Grundstoff für Lebensmittelverpackungen vorgestellt und errechnet, dass diese Bioverpackungen zum Beispiel Käse 500 Mal besser vor Sauerstoff und damit vor Austrocknung schützen, als es herkömmliches Plastik bislang getan hat. (Hier ein Artikel dazu: "Edible food packaging made from milk proteins", sciencedaily.com.)

Käse, Teekanne, Messer, Zitrone
Käse auf dem Brettchen
Diese Milcheiweiße, sie hei­ßen Caseine, lassen sich zu einem dichten Netzwerk verbinden. Schicker Gedanke: Ein Milch­pro­dukt, in ein Milchprodukt verpackt. Die Verpackungen sollen sogar essbar sein. Löslicher Kaffee in Por­tions­grö­ße verpackt, wür­de sogar gar keinen Müll mehr pro­du­zie­ren: Die Ver­packung löst sich einfach in der Flüs­sig­keit auf.

Endlich eine Alternative zum irrsinnigen Müllproblem Nespresso. (Derlei ver­wei­ge­re ich zu trinken, und George Clooney ist bei mir auch unten durch wegen seiner Wer­bung für diesen Sch*!)

Dabei können wir alle durch unseren Konsum etwas ändern. Die meisten Sachen kaufe ich unverpackt im Einkaufsladen "Original Unverpackt" (hier schrieb ich dazu) oder auf dem Markt. Mein Käsemann am Käsewagen ver­kauft seine Waren auch schon in einem Naturcellophan, das anschließend auf den Kompost darf (das Thema Kompost beschäftigt mich im dritten Jahr). Oder aber Käse im Wachs­pa­pier. Es gibt so viele Möglichkeiten.

Dabei ist die Verwendung von Rohöl für solche banale Dinge wie Verpackungen wirtschaftlich totaler Irrinn. Die Reservoirs sind begrenzt, Öl ist auch Rohstoff für Wichtigeres. Wir verschleudern hier Ressourcen.

Die Plastikstoffe aus Casein wurden von Forschern des US-Land­wirt­schafts­mi­nis­te­riums vorgestellt. In drei Jahren, so rechnen die Wissenschaftler, sollen sie reif sein für den Alltag der Menschen.

______________________________  
Fotos: C.E. (Archiv)

Samstag, 27. August 2016

Die Blaubeerensache

Was Dol­met­scher und Über­setzer be­schäf­tigt und wie wir ar­bei­ten, da­rü­ber be­rich­te ich hier im zehn­ten Jahr, außerdem schreibe ich über die französische und deutsche Sprache, Englisch kommt am Rand auch vor, über Kom­mu­ni­ka­tions­si­tua­tio­nen und Landeskundliches. Samstag ist der Tag für meinen Link der Woche.

Obstschälchen aus Pappe
Ta-daaaa! Mein Lieblingsobst!
Die Pappschale aus Altpapier im zeit­lo­sen Rauhfaserdesign und mit Retro-Auf­druck ist heute mein Lieblingsobjekt. Der Aufdruck erinnert mich an eines meiner Lieblingsbilderbücherbücher, "Häns­chen im Blaubeerenwald", von dem ich als Kind entweder ein Reprint oder aber eine alte Ausgabe des erst­mals im Jahr 1901 in Schweden er­schie­ne­nen il­lus­trier­ten Buchs von Elsa Bees­kow ka­putt­ge­liebt habe.

Buchcover
Auf Deutsch­ in den 20-er Jahren veröffentlicht
Meinen bibliophilen Eltern ist zum (ge­glück­ten) Anfixen des Kindes alles zu­­zu­­trau­­en! Vielen herzlichen Dank noch­mal, auch im Namen der Ge­­schwis­­ter! Bei mir hat's doppelt geklappt, ich liebe Bücher und Obst. Umso verstörter war ich neulich, als ich auf meinem Markt, bei meinem Obstlieferanten, einer Bio­gärt­ne­rei aus der Nähe von Berlin, in Plastik eingesperrte Beeren sehen muss­te.

Kinderbuchseite
Leider keine gute Auflösung
Der Naturschutzbund Deutschland e.V. hat Einweg­ver­packungen von Obst und Ge­mü­se untersucht: 63 % dieser in un­se­rem Land gehandelten Le­bens­mit­tel seien vorverpackt, geht aus einer neu­en Stu­die hervor, ein Zuwachs von 78 % bei Obst und von 164 % bei Ge­mü­se (2000 bis 2014). Eine Katastrophe, denn Plas­tik vergiftet 500 Jahre lang, bis es zer­fällt, die Natur. Mi­kro­plas­tik ist das As­best des frü­hen 21. Jahr­hun­derts.

Plastikumverpackung in Serie
Am Berliner Maybachufer
Keine Spur am Marktstand vom Alt­pa­pier­schäl­chen, das ich nach Gebrauch etliche Male zurückbringe, ehe es im Hofgarten innerhalb von drei Monaten zusammen mit den Obst- und Ge­mü­se­res­ten von Regenwurm & Co. zu wun­der­ba­rem Humus verwandelt werden wird. Nein, diesen Plas­tik­müll kann ich nicht kaufen. Das un­ter­stüt­ze ich nicht. Ich oute mich. Ich bin Kon­sum­ver­wei­ge­rin.

Vertrieb: bioFrische GmbH, 10829 Berlin
Öko in Plastik: Das geht gar nicht!
Vor lauter Schreck esse ich zwei Tage lang Trauben, am dritten Pflaumen (zu­sätz­lich zum Apfel, an apple a day keeps the doctor away). Jetzt muss ich nur noch den Obstvertrieb anschreiben, denn die Heidelbeeren hatte der Stand zugekauft. Das mache ich glatt. Mal sehen, ob er ant­wor­tet. Denn als Dol­met­sche­rin ist mir die Stell­schrau­be "Ver­kehr" oft aus der Hand ge­nom­men. Ich ach­te da­her auf mein CO2-Konto.

______________________________  
Illustrationen: C.E. und Netz

Interdependenzen

Hallo! Hier lesen Sie regelmäßig Neues aus der Dolmetscherkabine, vom Über­set­zer­schreib­tisch und aus der Welt der Idiome ... völlig subjektiv gefiltert von mir, einer Dolmetscherin und Übersetzerin für die französische Sprache. Der sams­täg­li­che "Lieblink" hat einige Monate Pause gemacht, weil ich zunehmend mehr Empörendes im Netz gefunden habe. Heute fange ich wieder neu an mit der Rubrik.

Wir Sprachmenschen haben ein besonderes Ding "zu laufen" mit Sprache. Ich kann mich mit Sprache betrinken, sie nahezu körperlich erleben, fast orgiastisch. Wenn die Schönheit des Ausdrucks, das Wunder des Inhalt sich mit der Eleganz der Bilder verbindet, ist es nochmal schöner. Wie in diesem Film hier. Ich bekomme da Gän­se­haut, auf Französisch übrigens "Huhnhaut" (la chair de poule).

Hier unten mein Lieblink der Woche. Es geht darum, wie Wölfe Flussverlauf, Ve­ge­ta­tion und Artenreichtum verändern. Dass alles mit allem zusammenhängt, hat uns als Kinder in der vierten Klasse ein wunderbar kluger Lehrer am Beispiel des Kom­post­hau­fens erklärt. Ein Lehrer, der alle ungeheuer positiv beeindruckt hat. Ein Menschenfänger im positiven Sinne. Einer, der Extraunterricht in geo­me­tri­schem Zeichnen anbietet und alle, alle machen mit. Ich spreche über Hans Sachs von der Richtsbergrundschule in Marburg an der Lahn. Er war schon ein alter Mann, als er uns unterrichtet hat. Vielleicht hat er Kinder und Enkel, die ich hiermit grüße!




______________________________ 
Film: YouTube

Dienstag, 23. August 2016

Tirer la langue

Willkommen auf den Seiten des ersten deutschen Blogs aus dem Inneren der Dol­met­scher­ka­bine und vom Übersetzerschreibtisch. In Berlin herrscht spät­som­mer­li­che Geschäftigkeit. Und Deutschland diskutiert.

Metallsilhouette mit Blattzunge
Natur trifft Kunst in Kreuzberg
"Jemandem die Zunge ziehen" (tirer la langue à quelqu'un) heißt wörtlich übersetzt auf Französisch eine Un­muts­be­kun­dung, die hierzulande nur ge­ring­fü­gig anders lautet. Nein, lieber Leserin, lieber Leser, ich verhalte mich Ihnen ge­gen­über heute nicht un­bot­mä­ßig. Neu­er­dings be­ob­ach­te an mir nur eine Grenze, die ich bis dato nicht be­merkt hatte.

Eine Grenze, zu viele, zu flache und zu hysterisch geführte öffentliche Debatten er­tra­gen zu wollen. Ich finde es immer wichtig, wenn Themen in der Gesellschaft dis­ku­tiert werden. Mit dem berühmten Niveau des ebenso berühmten Stamm­tischs konn­te ich allerdings als content driven person (etwa: an Inhalten orientiert) noch nie viel anfangen.

Erst wurden die Klotüren erfunden, dann die sogenannten "sozialen Medien". Hier spiegelt sich das, was an nämlichen Stammtischen wohl so abgeht. Nun sind die stammtischgenährten Sprüche von der Klotür erst ins Internet, dann auf manche Zeitungsseite gerutscht.

Dieser Tage überschlagen sich diese Stimmen in den Medien, die oft nur eine Idee verfolgen und für diese einige aus dem Kontext gerissene Aspekte als ver­meint­li­che Beweise anführen, anstatt profund zu diskutieren. Echter Diskussion indes lie­gen Wissen und Beobachtungen zugrunde, Ana­ly­sen, Erklärungsversuche, Nach­den­ken und immer wieder das Nachlesen und Erfragen diverser Hin­ter­grü­nde. Diesen hektisch geführten Schlagabtäuschen zeige ich jetzt die Zunge.

Vor allem dann, wenn ich müde vom Einsatz komme. Ist es das Älterwerden, das mir hier die Verve nimmt mich zu beteiligen, zu hinterfragen, anzumerken oder schlimm Entstelltes richtigzustellen? Bin ich müder als noch vor zehn Jahren nach einem Einsatz? Oder ist es die schiere Wucht des Stammtischs, die mich davon ab­hält, auch nur auf den größten Humbug einzugehen?

Der Hinterkopf formuliert allerdings an einem Grundsatztext. "Unter dem Wan­der­zelt" könnte er heißen. Mal sehen, |ob| wann ich die Ermüdung und auch den Dégoût überwinden kann, die mich angesichts des medialen Rauschens überfällt. Und jetzt freue ich mich erstmal an dem Silhouettenhippie, der es anderen über­lässt, der Welt die Zunge raus­zustrecken.

______________________________
Foto: C.E.

Montag, 22. August 2016

Schonpfotengang

Bonjour, guten Tag! Hier bloggt eine Dol­met­scher­in aus Berlin, Paris, Schwerin und von dort, wo Sie mich brauchen! Mit der Energie zu haushalten ist die halbe Miete, dafür gibt's einen eigenen Begriff.

Als ich ein Kind war, hatten wir Katzen.  Von ihnen habe ich sehr viel gelernt, von ihnen lerne ich bis heute.

Junges Kätzchen
Gaspard de la nuit (mit Anekdote hinter diesem Link)
Der kleine schwarz-weiße Kater Felix, hat­te sich zum Bei­spiel mal ein Pföt­chen ver­staucht. Er konn­te nicht mehr so ele­gant flit­zen und schlen­dern mit seinem ver­füh­re­ri­schen Blick und den O-Bei­nen, und Hum­pe­lei war auch nicht schön, das war un­ter­halb sei­ner Kat­zen­wür­de. Denn Felix hat­te Charakter — und sei­nen Stolz.

Also bewegte er sich langsamer als sonst, belastete das verletzte Beinchen vor­sich­tig und kürzer und schlich am Ende dann doch wieder elegant durch die Wohnung.

Wir haben das "Schonpfotengang" genannt. Vor Dolmetscheinsätzen pauke ich, wie­der­ho­le alles, was ich an den Tagen bis Wochen zuvor gelernt habe, und gehe sonst auf einen intellektuellen Schonpfotengang. Denn das eigentliche Dol­met­schen ent­spricht oft nur 20 % der Arbeit. Wir müssen mit der Energie haushalten.

Auf das Konto dieses Schonpfotengangs geht auch manche lakonische Knappheit. Dazu ein Korrektoratsbeispiel. Streiche: richtig|er|. Anm.: Sie war schwangerer als ihre Schwester.

Keine lange Erklärung. Nicht heute. Donnerstag vielleicht.


______________________________
Merci beaucoup à Mandy Ahlendorf,
ahlendorf communication, fürs Foto
(eines anderen Kätzchens, bien sûr)

Freitag, 19. August 2016

Büroordnung

Abendschicht
Ob geplant oder zufällig, Sie lesen hier in meinem digitalen Tagebuch aus der Ar­beits­welt. Ich bin Dolmetscherin für die französische Sprache (und aus dem Eng­li­schen). An Tagen außerhalb von Kon­fe­ren­zen oder Außenterminen mit Kunden sitze ich am Übersetzerschreibtisch.

Selbstironie ist manchmal nicht so ein­fach. Und die Benennung von Dateien ist Teil der Kom­mu­ni­ka­tion. Das fängt mit der amerikanischen Datierung an, weil sich da­rü­ber alle Dokumente eindeutig nach Termin von selbst sortieren. In den En­dun­gen findet dann die Differenzierung statt. Was Sie nachstehend sehen, ist Satire. Sage ich lieber vorher.

160816_Wichtiges_Dokument_WIP.doc  ... [WIP = work in progress]
160816_Wichtiges_Dokument_DE_korr.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_def.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_def_korr.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_DEF.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_DEFINITIV.doc
160816_Wichtiges_Dokument_DE_DEFINITVE_FASSUNG_DIESE_HIER_GILT.doc

______________________________  
Foto: C.E. (Archiv)

Donnerstag, 18. August 2016

Henri a raison

Hello, bonjour, hallo! Was Dolmetscher und Übersetzer so erleben, schreibe ich hier auf. Und dabei beobachte ich den Alltag. Übers Wetter zu klagen ist so ziem­lich das Unnützeste, was es gibt. Trotzdem geben sich manche gern dieser Übung hin. Also auch ich.

In den letzten Jahren haben wir durch die Klimaerwärmung den typisch deutschen Sommer ein wenig vergessen. An der Ost­see herrschte Mittelmeerwetter, in Berlin bekamen wir einen Vorgeschmack darauf, dass "wir" im Jahr 2100 kli­ma­zo­nen­tech­nisch das bekommen werden, was heute Rom auszeichnet.

Da fiel mir ein Zitat wieder ein. Ein wunderbares, das lange nicht gebraucht wur­de. Monsieur Henri "Auf-Französisch-nennen-sie-mich-Hass" kannte zum deutschen Sommer einen guten Spruch. "Wer?", mögen Sie fragen. Einen Tipp: Henri, das ist der französisierte Heinrich. "OK, und das andere?", fragen Sie weiter.  

Monsieur Heinri ['aine] ... la haine, der Hass, spricht sich so aus wie der deutsche Name Heine. Von ihm stammt der Satz: "Unser Sommer ist nur ein grün­­an­­ge­­stri­­che­ner Win­ter." (Notre été n'est qu'un hiver peint en vert. Our summer is only a win­ter pain­ted in green.) Über­setzungen des Zitats sind im Netz schwer zu finden. Ich hab das mal schnell er­gänzt.

Flanellhimmel, Malergrün, blauer Akzent
Langfassung: In Kapitel 53 der Reisebilder heißt es:

" ... in unserem Lande ist es sehr frostig und feucht, unser Sommer ist nur ein grünangestrichener Winter, sogar die Son­ne muß bei uns eine Jacke von Flanell tragen, wenn sie sich nicht erkälten will; bei diesem gelben Flanellsonnenschein können unsere Früchte nimmermehr ge­dei­hen, sie sehen verdrießlich und grün aus, und unter uns gesagt, das einzige reife Obst, das wir haben, sind gebratene Äpfel. (...) Kurz, uns fehlt alles edle Obst, und wir haben nichts als Stachelbeeren, Birnen, Haselnüsse, Zwetschen und der­glei­chen Pöbel."

Die sauren, grobschaligen, zum Teil stacheligen oder wurmstichigen mehrheitlich gelbgrünen oder grün-/gelbbraunen Baum- oder Buschfrüchte ausgerechnet "Pöbel" zu titulieren, ist eine tolle Idee! Übernehm' ich glatt! Und den Titel lasse ich auf Französisch, ich mag diese neurechtschreibliche Großschreibung bei "recht haben" nicht. [EDIT: Das Kor­rek­to­rat teilt mir ge­rade mit, dass die Groß­schrei­bung hier zu­rück­ge­nom­men worden ist.] Und die nächs­ten Ta­ge wird es erst­mal wie­der wär­mer. Ouf !

______________________________  
Foto: C.E.

Mittwoch, 17. August 2016

Ehefähigkeitsverfahrensdauer

Herz­lich Will­kom­men auf den Blog­sei­ten einer Sprach­ar­bei­terin. Was mich da um­treibt, ist seit mehr als neun Jah­ren Ge­gen­stand die­ses Blogs. Ich bin Dol­met­sche­rin und Übersetzerin und ar­bei­te mit den Sprachen Französisch und Englisch. Manches Wort bereitet auch beim 100. Mal noch Probleme.

Postkarten mit Sprüchen wie "lächeln!" drauf und Topfflanzen
Berliner Amtsstube
Mal wieder in der "Ringefirma". Re­gel­mä­ßig Ehe­schlie­ßun­gen zu dolmetschen wäre ein schöner Job, wenn nicht der Vorlauf mit­un­ter so kompliziert wäre. Hier treffen sich in den Braut­leuten das Baltikum und Afrika. Wir waren schon zwei Mal vor Ort, immer fehlten Doku­mente, von deren Existenz wir nicht einmal geahnt hatten.

Wobei die Begriffe auch nicht immer zu 100 % klar sind. Manches Dokument gibt es im Ausland nicht, also muss das Ber­li­ner Kammer­gericht entscheiden, dass ein bestimmtes Papier nicht beizubringen ist. Statt­dessen müssen Zeugen­aussagen her, die aber nicht älter als sechs Monate sein dürfen.

Es geht um das "Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis", auch Ledigkeitsbescheinigung genannt. Am Ende prüft eine andere Amtsperson die Ehefähigkeit beider Kandidaten. Hof­fent­lich dauert das Ganze am Ende nicht zu lange, sonst sind möglicher­weise die äl­tes­ten Doku­mente schon wieder ungültig.

Zwischendurch quatscht mich eine Rathausdame derartig in Grund und Boden, dass ich eine Erklär­epi­sode auslassen muss vor lauter verbalen Längenunterschieden. Und mehr­wört­rige Zungenbrecher gibt's als Dreingabe auch noch, zum Beispiel die "Erklärung der Abwe­senheit eines Ein­spruchs nach Aufgebot" - certificat d'absence of opposition. Den Blick auf wunderbare Amts­stub­en­deko kriegen wir als Drein­­ga­be.

Der nächste Termin ist beim Steuerberater, wieder mit Kunden. Ich such schon mal raus: Vorsteuerabzugssonderkonto, Ehegattensplittingsparagraph, ... Für den Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­bei­brin­gungs­be­frei­ungs­an­trag ist eine Bescheinigung nötig, ge­nau­er: für die Ehe­fä­hig­keits­zeug­nis­bei­brin­gungs­be­frei­ungs­an­trags­kos­ten­zah­lung.

______________________________
Foto: C.E.