Mittwoch, 22. Februar 2017

Bonjour

... und will­kom­men! Als Dol­met­scher­in und Über­setz­er­in mit den Schwer­punkten Wirt­schaft, Po­li­tik, Kultur und Soziales arbeite ich in Berlin, Paris und dort, wo Sie mich brauchen. Hier schreibe ich (stets ver­all­ge­mei­nernd) über den Be­ruf.

Caroline Elias, +49(0)172 499 8902
caroline@adazylla.de
Ich biete Ihnen:
mehr als 15 Jahre Erfahrung
DOLMETSCHEN DE ⇆ FR und aus dem Englischen mit den Schwerpunkten Poli­tik, Kul­tur, Wirtschaft und Handel, Medien, Bildung und Soziales, EU-Se­mi­na­re, Kino-, Film- und Kul­tur­­wirt­­schaft, Luxusgüter, deutsch-fran­zö­si­sche Be­zie­hun­gen, Lan­des­kun­de, Ur­ba­nis­mus, (In­nen-)Ar­chi­tek­­tur, Li­te­ra­tur, Ge­schich­te Ber­lins und der DDR, Afrika (Wirt­schaft/Soziales)
ÜBERSETZEN ins Deutsche (schrift­lich die stär­ke­re Sprache), z.B. Dreh­buch, Film­auf­nah­men, Webseite, Projekt, För­der­an­trag
— bei Konferenz, Filmdreh, Verhandlung usw.
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ZUSAMMENSTELLUNG von Kollegenteams

Ich berate persönlich per Telefon oder Mail, denn jeder Einsatz ist anders, jedes Thema besonders, kurz: Ihre Gäste und Kunden haben den besten Service verdient für das von Ihnen gezahlte Honorar, das bei uns Freiberuflern fast ausschließlich in die Arbeit fließt (da wir Marketing, Verwaltung und Management selbst machen und die Grundkosten gering halten).

Außerdem bin ich versiert in den Bereichen:

— "Synchron"bücher für Dokumentarfilm, Exposés (Rewriting), Untertitel, Übertitel (Theater)
— Audio­des­krip­tion für Sehbehinderte bzw. Untertitel für Hör­­geschädigt­e, Er­stel­lung und Lek­to­rat, in Zusammenarbeit mit einer langjährigen Regieassistentin
 — Texten, Rewriting und Recherche (Themen auf Anfrage). Als Autorin/Koautorin war ich bislang namentlich an vier Büchern beteiligt. 


Hier, zu welchen Inhalten ich 2015 und 2014 aktiv war sowie einige Referenzen.
Gerne erstelle ich ein kostenfreies Angebot! Über caroline[at]adazylla.de und mobil können Sie mich erreichen. Unabhängige Dolmetscher, keine Makler oder Agentur! Réseau d'interprètes indépendants, pas d'agence ! Paris, Berlin, Französisch, Deutsch, simultan, Konferenz, VIPs, Untertitel, Begleitdolmetschen, simultan, synchron, konsekutiv, conférence, français, allemand, Hambourg, Cologne, Munich, Paris, interprète de conférence et d'accompagnement, chuchotage, Drehbuchübersetzung, traduction de scénario.
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Foto: Dr. des. Friederike Elias

Samstag, 18. Februar 2017

Berlinaletag

Nach Mitternacht habe ich zwei Seiten Fragen eingehend studiert, die ich bald für ein Interview brauchen würde, so ging mein Beispieltag der Berlinale heute los. Ich dolmetsche und übersetze mit Zielsprachen Deutsch und Französisch (auch aus dem Englischen). Neben Film arbeite ich zu Themen der Wirtschaft und So­zial­po­li­tik, Kultur, Geschichte und Medien.

9.00 Uhr, andere in der Wohnung schlafen aus nach der Panoramaparty, ich sitze schon wieder am Schreibtisch. Gestern brach beim Sichten des Online-Screeners die Verbindung immer wieder ab, vermutlich gibt es bei manchen Last-Minute-Sichtungslinks den berühmten Stau auf der Datenautobahn. Oder das sind ir­gend­wel­che Spätfolgen des Stromausfalls vom Donnerstagabend im Nachbarkiez? (Alle, die es im Lebensmittelhandel nicht passend oder nur Plastikgeld hatten, wurden wieder weggeschickt.) Und nach dem Stromausfall wackelte bei uns das Netz.
11.30 Uhr, fertig mit dem Sehen. Zwischendurch hat das System etwas gestottert und ich habe mir viele Notizen gemacht. Ich überfliege das Presseheft ein weiteres Mal, rekapituliere die Fragen des Moderators, rufe mir den Vorgängerfilm des Re­gis­seurs in Erinnerung, der vor zwei Jahren lief und den ich nur inoffiziell gesehen habe.
12.30 Uhr, ich eile zum Potsdamer Platz. Lese auf der Fahrt weiter meine "Pres­se­clip­pings" zum Regisseur sowie die bearbeiteten Fragen auf einem leichten Gerät.
13.00 Uhr, im Hotel am Interviewort, warten, bis ich 13.30 Uhr in den In­ter­view­raum darf. Dort bleibe ich auch, als die Journalisten wechseln. Ich höre mich auf den Regisseur ein, den ich um
14.20 Uhr kurz kennenlerne.
14.40 Uhr, Ankunft im Tonstudio in einem anderen Hotel am Potsdamer Platz. Ich richte mich ein, Parlando mit den Leuten vor Ort, kurzes Vorgespräch mit dem Moderator.
Calin Peter Netzer, Antoine Guillot, Michel Ciment, Romuald Karmakar, Caroline Elias (im Uhrzeigersinn)
Im Uhrzeigersinn (ab links): Calin Peter Netzer, Antoine 
Guillot, Michel Ciment, Romuald Karmakar, CE
14.50 Uhr, die Regisseure tref­fen ein, ein weiteres Vor­ge­spräch folgt.
15.05 Uhr gehen wir auf Sen­dung. Zwanzig Minuten später ist das von mir ver­dol­met­schte Interview gesendet, ich bleibe noch etwas sitzen, um einem anderen Regisseur bei Bedarf sprachlich zu hel­fen, der aus biografischen Grün­den sehr gut Französisch spricht, im Alltag aber aus­schließ­lich Deutsch.

15.40 Uhr heißt es Au revoir à Cannes ! Ich eile zum Bus ... gehe auf dem Nach­hau­se­weg noch in ein Restaurant, und als ich wieder zuhause ankomme, ist es
17.00 Uhr: Ich notiere noch einige Vokabeln, die heute wichtig waren, morgen wer­de ich die Sendung runterladen (ich pod­cas­te sie), kritisch abhören, eine zweite "Nachlese" betreiben.
17.30 Uhr: Späte Siesta, 30 Minuten, dann weiter mit einer Filmübersetzung. Open end oder Kino, das steht noch nicht fest.


Nachwort
Einmal meinte ein Kunde, dass unsere Arbeit nicht teuer sein könnte, weil sie ja mündlich geschieht. Dabei ist der Technikeinsatz für die Vorbereitung hoch. Rech­ner, Speicherkapazität (meine Drei-Ter­ra­byteplatte, das Schallarchiv, ist fast voll), mobiles Gerät, Mobil­te­le­fon, Wartung, Gebühren, das ganze Büro, das dran­hängt, Akten mit Themenmaterial, Bücher, alles Verwaltungsrelevante. Ein weiteres Re­chen­bei­spiel hier: Zahlen, bitte!
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Danke an Fanny Steyer für das Foto.
Neben Karmakar saß ich schon 2009.

Freitag, 17. Februar 2017

Berlinalesehen

Im elften Jahr blogge ich aus der Dolmetscherkabine, vom Übersetzerschreibtisch und aus der Küche, dem nicht mehr ganz neuen Berlinalespielort für Film­scree­nings, hier ein Archivbild. Sonst arbeite ich in den Bereichen Politik, Kultur, Wirt­schaft und Soziales. Meine Arbeitssprachen sind Französisch (Ausgangs- und Ziel­spra­che) und Englisch (nur Zielsprache).

Vielen Dank allen Gratulanten beim Jubiläum gestern. Merci beaucoup auch allen Kun­den, die ich prompt bei meiner Danksagung vergessen habe, denn ohne sie hätte ich ja keine Schreibanlässe. Sie hatte ich als Adressaten gar nicht auf dem Schirm.

Küche mit Filmsichtung, Schreibzeug und Nüssen
Screening
Aus berechtigten Gründen ...
Zur Erinnerung: Alle Regeln des Kundenschutzes und der Vertraulichkeit wahre ich beim Schrei­ben, das ist mein höchstes Anliegen. Solange es sich nicht um Stars handelt, die mitten in der PR stecken, schreibe ich über den Be­rufs­all­tag in all­ge­mei­ner Form, fasse schon mal zwei Einsätze zusammen, ver­än­de­re den Ort oder die Jah­res­zeit.

Der Blog ist eine Autobiofiktion, alles ist wahrhaftig und beruht auf Tatsachen. Ja, ich wer­de wohl weitermachen, suche aber auch (wie die Produzenten, Sender und Geldgeber auf dem Europäischen Filmmarkt) nach neuen Formaten. Zunächst wäh­le ich mir einen festen Tag in der Woche aus für ein Hintergrundstück. Die an­de­ren Einträge werden dann wohl kürzer, mehr Gedankennotizen. Vielleicht gibt's bei Blogspot.com auch die Möglichkeit, nur einen Beitrag die Woche zu abon­nie­ren, das wäre sicher ein gutes Angebot an die Stammleser. Irgendwann wird vermutlich der Umzug auf eine eigene Domain unausweichlich werden. Ich scheue noch den damit zusammenhängenden Aufwand.

Worauf ich Lust habe sind Kollegenportraits, ggf. auch als geschnittene Tondateien im Interviewformat. Ich komme ja schließlich vom Radio und Ton liebe ich wei­ter­hin.

NEUE WELT im Schäfchenwolkenmeer
Mittagessensort
Das (späte) Blog­ge­burts­tags­mit­tag­es­sen jedenfalls fand bei vorfrühlingshaftem Wetter im Freien und anfangs sogar in der Sonne statt.

Gesprächsthema war die Gold­locke im Weißen Haus, passenderweise wünsche ich der "Neuen Welt" dazu sehr bald einen großen Lichtstreif am Horizont.


Das Motto kennen wir Spracharbeiter
Vorschau: Gestern war ich auf einer Ver­an­stal­tung des Film­fes­ti­vals für den Krea­tiv­nach­wuchs, "Talents" genannt. Es ging um Untertitel und Voice-over/Einsprechen im Kino. Einen Bericht darüber werde ich zu Ende kommender Woche schreiben, wenn ich wieder Zeit habe (und erholt bin).

Heute: Berlinale/NoBerlinale
⊗ Eilige Übersetzung eines Treat­ments für eine Serie
⊗ Filmsichtung in der Küche
⊗ Einlesen für den Samstagstermin
⊗ Kinobesuch aus Eigeninteresse
Absolutely no Parties, die Ar­beit geht vor

Pressespiegel
Der Tagesspiegel hat Spracharbeiter auf der Berlinale portraitiert, hübsches Stück, das aber kaum weiter führt als das, was wir in den letzten Jahren an Be­richt­er­stat­tung schon hatten. Der Klassiker: Die Berufe Übersetzer und Dol­met­scher werden synonymal verwendet. Die eigentliche Problematik, dass das meiste auf Globish stattfindet, wurde hier nicht mal angedeutet. Link hier: "Mit anderen Worten", Tagesspiegel vom 15.2.2017, Autor: Christian Vooren.

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Foto: C.E.

Donnerstag, 16. Februar 2017

Berlinalefrage: Hilft das?

So, heute seit exakt zehn Jahren blogge ich hier über Sprache und Film, Dol­met­schen und Übersetzen, kulturelle Eigenheiten und unsere Zeit. Die Bilder waren damals kleiner oder fehlten ganz, der Vorspann war noch nicht da und der Artikel des komischen Worts "Weblog" stand nicht fest: "der" oder "das"?

Und nun? Die Leserzahlen gehen leicht zurück, es gibt inzwischen etliche Über­set­zer- und Dolmetscherblogs; der hier war (meines Wissens) der erste in deutscher Sprache. Der Beruf wird leider gerade heftig runtergewirtschaftet von den ver­schie­dens­ten Akteuren, er büßt an Attraktivität ein. Auch da­her ver­mut­lich we­ni­ger Zugriffe.

Was nun? Weitermachen? Neues Konzept? Die Grafik lässt sich nicht mehr ändern, zumindest nicht bei blogspot.de, sie ist eingefroren, eine solche Nutzung ist mög­li­cher­wei­se nicht geplant gewesen. Oder aufhören? Nicht mehr zeitgemäß? Das Bloggen, der Beruf oder gar beides? Darüber denke ich ab morgen nach.

Ein herzliches Dankeschön möchte ich meinen zahlreichen treuen Leserinnen und lesern sagen, auch für Ihre/Eure Zuschriften, Vorschläge und Hinweise! Einen Tusch aufs hausinterne Lektorat und die Gastfotografen! Heute feiern wir erstmal mit einer stilechten mise en abyme sowie einer heißen Schokolade. Hoch die Tassen!



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Foto: Dolmetscherblog/Berlinale

Mittwoch, 15. Februar 2017

Berlinalewohnen

Im zehnten Jahr führe ich hier mein öffentliches Arbeitstagebuch als Dol­met­scherin und Über­setzerin. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Paris, Berlin, Heidelberg und Marseille — und (fast) überall dort, wo Sie mich brauchen.­

Gerade klinge ich älter als meine "Omma" aus Unna, denn die hat sowas nie ge­sagt. Oder klinge ich ähnlich jung wie das Käthchen von Schluppen­burg, die einst mit gerade mal acht Lenzen, du haut de ses huit ans, gerne ihre Frau Groß­ma­ma nach­ge­macht hat, und das auch noch in bestem Bayrisch: Frrrühah, ja, frrrühah, da woa ois bessah! (Gerne folgte darauf eine Einlage rustikalen Schenkelklopfens.)

Hände, zwei Computer, ein Tablet, Wassergläser, Teebecher, Pfeffermühle, Salz, Kerze, Vitamine, Visitenkarten, Stühle (angeschnitten), Kataloge auf Bank und Boden
Vogel- oder Küchenlampenperspektive
Noch nie hatte ich bei ei­ner Ber­li­nale so viele Ver­gan­gen­heits­be­züge wie dieses Mal. Das liegt an den vielen Ver­än­de­run­gen, die mir plötzlich ins Auge stechen, denn so ein Zehn­jäh­riges ver­lei­tet na­tür­lich zum Bi­lanz­zie­hen. Man­ches, das seit Jahren schon anders ist, fällt erst jetzt auf, siehe frühere Posts. Und ich bin's leid, Verschlech­terungen fest­stel­len zu müssen.

Denn auch schöne Konstanten gibt es in diesen Jahren. Die Berlinale-WG ist eine davon. In Zeiten, in denen ich 30 bis 50 Einsätze pro Filmfestival hatte, war ich abends ein­fach durch. Extreme Müdigkeit wirkt sich auf den Bewusstseins­zu­stand wie Al­ko­hol­kon­sum aus, also war es der Job der Mitbewohner von Rhein und Ruhr, mich vom letzten "Gig" abzuholen und heil wie­der nach Hause zu ge­lei­ten. Au­ßer­dem erfuhr ich von ihnen, was ich in der Einsamkeit der Dol­met­scher­ka­bi­ne sonst nicht erfahren hätte: Wer, was, wie, wo, warum und wann.

Jetzt, wo die Berlinaleleitung auf Globish setzt und sehr viele Dolmetscher nichts mehr zu tun haben, ist meine Berlinale weitaus entspannter: Es gibt weniger Ein­sätze, die dafür besser bezahlt werden. (Wo es drauf ankommt, ist plötzlich wie­der Geld da.) Der nächt­li­che Escort-Service entfällt damit.

Nach dem Nachhausekommen, jeder disponiert selbst, sitzen wir nachts meist noch in unseren WG-ei­ge­nen Programmkonferenz zusammen, die Abteilungen und Fachrichtungen Filmton, -mi­schung, Aus­bil­dung, Jazz, Fes­ti­val­lei­tung, Programm­ma­nagement, Saalleitung, Sprache (und zunehmend auch Dramaturgie), IT und stra­te­gi­sche Planung, Ver­zah­nung von Geistes- zu Natur­wissen­schaften. Viele Ge­wer­ke und Gebiete, dabei sind wir nur zu viert, gendermäßig einigermaßen pa­ri­tä­tisch besetzt — und ge­ne­ra­tio­nen­über­grei­fend so­wie­so, denn zwischen dem Jüngsten und dem Ältesten liegen vier Jahrzehnte.

In der zweiten Berlinalehälfte wird es ruhiger. Die Kölner Tonkollegin ist schon wie­der abgereist, Moonboots und "Plümmoh", wie sie ihre daunengefüllte Jacke freund­lich nennt, sind am frühlings­haften Rhein, wo es dem Vernehmen nach heu­te 16° C. warm war, wieder im Schrank verstaut. Auch in Berlin ist der Frühling schon zu spüren. Der Winter (und auch die Zukunft) waren früher auch besser! (Danke, Karl Valentin.) So, ab mit mir ins Kino!

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Foto: C.E.

Dienstag, 14. Februar 2017

Berlinalekilometer

Hallo, hier bloggt eine Spracharbeiterin (Französisch und Englisch). Nor­ma­ler­wei­se beschreibe ich typische Alltagsmomente (anonymisiert) oder denke über Wör­ter nach. Wirtschaft, Politik und derzeit die Berlinale sind dabei die Hin­ter­grund­mu­sik.

Brandenburger Tor - bunt
Brandenburger Multicolor
So ein Festival setzt viel Ener­­gie, Leidensfähigkeit und bes­tes Schuhwerk vor­aus. Vie­le Film­ki­lo­me­ter fallen an, wie das früher geheißen hät­te, als das Sil­ber­ge­la­ti­ne­ma­te­rial noch in me­tri­schen Ein­hei­ten  gemessen wurde: Von den Kar­ten­bü­ros zu den Spiel­or­ten, über den Filmmarkt hin zu diversen Bars und Sa­lons, Aus­­tra­­gungs­­or­­te illustrer Em­­pfän­­ge.

Eigentlich geht es morgens in der Früh mit Schlangestehen los, um Tickets zu be­kom­men. Für mich als Dolmetscherin haut das nicht hin, weil ich oft noch abends ar­bei­te und ohnehin oft erst einen Tag im Voraus weiß, was mich bald beschäftigen wird. Schneller Wechsel ist in unserem Gewerbe ein Grundthema. Der wäre auch in der Kleidung angeraten. In Zeiten, in de­nen ich als Kinoleiterin beschäftigt war, vor bald zwanzig Jahren, hatten wir Spinde zumindest für Wechselschuhe zur Ver­fü­gung (und einen Auf­ent­halts­raum mit Bröt­chen, Wasser, Kaffee und Obst). Das war sehr men­schen­freund­lich. Heute muss ich meine Pausenorte selbst suchen. Es gibt Cafés, in die es sich ver­zie­hen lässt ... nur keine gemütlichen am Pots­da­mer Platz. Dort ist es an allen Or­ten irgendwie zugig und ungemütlich und so gebaut, dass man bitte schnell wie­der gehen soll.

Also treffen wir uns zum Essen außerhalb der "Zone". Der Ruheeffekt ist großartig. Filme sind für viele, die hier zur Arbeit gekommen sind, die schönste Nebensache der Welt. Und fertige Filme, die nicht selbstgemacht sind, scheinen irgendwie eine quantité négligeable zu sein. So sagt auch Christophe aus Paris: Je ne vois pas de films, je vois des gens ("... ich sehe Leute"). — Ich freu mich auf die Tage nach der Berlinale. Endlich in Ruhe ohne störende Termine Filme sehen können ... bei den Mitarbeiter­screenings, die zum Troste für jene, die im Schatten tätig sind, aus­ge­rich­tet werden. Nach dem Essen heißt es zurückeilen. Manchmal mit den falschen Schuhen Richtung Hal­te­stel­le rennen, wenn der Bus gerade ankommt ...

Meine Feststellungen sind aber gar nichts im Vergleich zu den leichten Roben, in die sich die Schauspielerinnen hüllen, wenn sie über den roten Teppich schreiten. Derzeit herrschen in der deutschen Hauptstadt einstellige Minusgrade. Da fällt mir die Nachwuchsschauspielerin ein, die auch ohne darstellerische Beteiligung vor Jahren ihre Chance, gesehen zu werden, genutzt hatte und am Ende, wenn die abendlichen Filmempfänge zu Ende gegangen waren, von Produzenten in ein Taxi gesetzt wurde. Sie hat den Wagen dann um die Ecke fahren lassen und ist außer Sichtweite gleich wieder ausgestiegen, um dann bibbernd die nächsten Meter bis Kilometer (manche Partylocation ist j.w.d.) zur Station von Bus oder Bahn zu eilen. Sie hatte schlicht und ergreifend kein Geld für ein Taxi, dafür eine BVG-Wo­chen­kar­te, die sie auch jeden Tag für den Robentausch zum Kostümverleih gebracht hat. Dazu trug sie im Wech­sel drei Paar Hochhackiger. Ihre Stra­te­gie hat­te übrigens Erfolg, weil sie darüber hinaus sehr talentiert ist.

Zwischendurch sitze ich mit einem Arte-Granden im Foyer der französischen Bot­schaft. Die Zugangskriterien zu den Salons der Ambassade sind nicht immer nach­voll­zieh­bar, wir warten auf eine Entscheidung in Sachen Nacheinlass, auch wenn die Zeiten von On ne demande pas les laquais à sa table — man bittet seine La­kai­en nicht zu Tisch, der Satz wurde einem früheren Botschafter zugeschrieben, überwunden schienen. Zwei schlechtgelaunte Filmarbeiter sind wir, die gerade an der Be­rufs­aus­übung gehindert werden: Hier dominiert der müde Rücken, dort klopft der Puls im Zeh, die Pumps sind zu elegant. Es ziept und es liegt nicht am Alter.

Das beste spontane Abendessen, Pitches und Verbrüderungen dieser Berlinale wird prompt nicht die Soirée française du cinéma, ich erlebe diesen Höhepunkt an­schlie­ßend einige Kilometer vom vermeintlichen Gravitätszentrum entfernt im aus der Situation resultierenden Salon des refusés, wie die Kunstausstellungen der einst im Louvre Abgelehnten geheißen haben. Den Pro­du­zen­ten, für die ich ei­gent­lich spon­­tan dolmetschen sollte, hatte ich per Textnachricht aus dem Foyer ab­ge­sagt. Die Antwort-SMS kommt umgehend: Er und andere Betreffende verlassen vor der Zeit den Ort des Geschehens und ergänzen das spontane Kreativgelage aufs Schönste.

Hallo, Taxi!

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Collage: C.E.

Montag, 13. Februar 2017

Berlinaleterminrettung

Bonjour, hello, guten Tag! Hier bloggt seit bald zehn Jahren eine Kon­fe­renz­dol­met­sche­rin, die daneben das Fach­gebiet anbietet. Meine Sprachen sind Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (passiv). Hier beschreibe ich, was ich im 20. Berlinalejahr in den Kulissen erlebe ... keine Namen, nur die Vor­komm­nis­se.

Der Job war längst abgesagt. Die Antwort der Presseagentur, die den Film betreut, war eindeutig gewesen: "Wir haben uns für eine günstigeres Angebot entschieden." (Über die leidige Preisthematik schrieb ich hier.) Als das günstigere Angebot die Arbeit aufnimmt, habe ich nicht viel zu tun, ein schöner Nachmittag, ich chille mit einer Freundin aus Paris im Café. Da ruft die PR-Dame an: "Kön­nen Sie bitte sofort ins Hotel XYZ kommen?" Das Haus hat fünf Sterne. Der Taxistand ist gleich um die Ecke, ich eile ...

Claude Chabrol und die Autorin (2009)
Als ich ankomme, kann ich den Temperaturen im Raum beim Fallen zusehen. Sitzen um einen Tisch herum: Fünf Journalisten plus Star, der Wand entlang aufgereiht wie die Hühner auf der Stange: die PR-Dame, ihr Chef und ein Assistent. Alle im Salon mit dem hochflorigen Tep­pich­bo­den und den hauch­dün­nen Tee­tas­sen schau­en grim­mig drein, aus­nahms­los alle.

Wer mein Vorgänger/meine Vorgängerin war, die hier die Stimmung verhagelt hat, weiß ich nicht, ich bin der Person nicht begegnet. Ist mir auch egal. Ich denke mir: Auf die ersten Minuten kommt es an. Händedruck des Regisseurs: fest. Meiner: fester. Zwerchfellatmung, meine Glieder sind schwer, die Stimme kommt tief aus dem Oberkörper, ich gebe ihr Raum. Der Salon Großer Kurfürst ist meine Bühne. Alle sind vom Fach.

Ich setze mich hin, frage die Journalisten, ob der Dolmetschmodus genehm ist (Fra­gen simultan, Antworten konsekutiv), erkläre rasch dem Regisseur diese Prä­li­mi­na­rien. Dann kommt die erste Frage, ich mache meinen Job. Nur das, ruhig und mit fester, tiefer Stimme.

Die Spannung der Anwesenden fällt ab, ihre Minen hellen sich auf ... und so, wie die Küken der Henne folgen, so folgen jetzt die Zuschauer dem PR-Chef. Man zieht sich ins Nebenzimmer zurück. Der Regisseur fängt an zu strahlen, die Interviews nehmen ihren Lauf. Stunden später werde ich mit Handkuss verabschiedet.


Linktipp: Michael Streck vom Stern schreibt höchst passend über die PR-Dame.
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Foto: C.E. (Archiv, ein entspannteres Interview)

Samstag, 11. Februar 2017

Berlinalehektik

Im zehnten Jahr führe ich hier mein öffentliches Arbeitstagebuch als Dol­met­scherin und Über­setzerin. Als frei­be­ruf­li­che Sprach­mitt­lerin ar­bei­te ich in Paris, Heidelberg und Marseille — und schreibe derzeit aus Berlin.

Blick durch die Glasfront auf den roten Teppich
Im Festivalpalast
Früher wurden die Aufträge fürs In­ter­view­dol­metschen in den Wochen vor Be­ginn der Berlinale vergeben. Die Ein­satz­pla­nung ging Ende Januar los, am ersten Tag des Film­fes­ti­vals stand der eigene Ter­min­plan. Fünf bis zehn Prozent ergaben sich dann spon­tan.

Heute ist der Montag vor Berlinalestart als erster Planungstag offenbar die Regel. Und die gleichen fünf bis zehn Prozent, die frü­her die Ausreißer waren, sind heute die länger vorab geplanten Termine.

Das Internet scheint viele in der trü­ge­ri­schen Annahme zu wiegen, dass jederzeit jemand zu finden ist ...

Einschub: Noch ein Aspekt, denn Qualitätsunterschiede scheinen als Kriterium bei der Buchung nicht mehr im Vordergrund zu stehen, vermutlich, weil die Pres­se­be­richt­er­stat­tung insgesamt an Bedeutung verloren hat. Auch das hängt mit dem Netz zusammen: Die Internetwirtschaft hat viel Geld aus den Printmedien ab­ge­zo­gen, infolgedessen wurde auch der Filmberichterstattung weniger Platz ein­ge­räumt und ih­re Bezahlung nicht mehr an den Kaufkraftverlust angepasst. Weniger Kri­ti­ker­per­sön­lich­kei­ten, auf deren Meinung über den Film die Leser einst ge­war­tet haben, konnten sich äußern bzw. neue Stimmen herausbilden. Einschubende.

So eine Last Minute-Buchung hindert mich als Profi alter Prägung schlimmstenfalls daran, von den Regisseuren, für die ich arbeite, noch andere Filme zu sehen, so­fern ich sie noch nicht kenne. Vorbereitung ist wichtig. Früher, als Filme des Wett­be­werbs noch simultan verdolmetscht wurden, waren viel mehr Sprachprofis ak­kre­di­tiert. Mit diesen Mitarbeiterausweisen kamen wir überall rein. Es war normal, dass wir als Dolmetscherinnen und Dolmetscher uns neben den Ein­sät­zen wei­ter­bil­den, die Regisseurinnen/-eure und anderen Talente be­ob­ach­ten. Mag er oder sie auch die­ses Jahr nicht relevant sein, nächstes Jahr kann's anders sein.

Grundsätzlich muss ich einen Fim gesehen haben, bevor ich ein Gespräch dazu dol­met­sche, sonst sage ich ab. Heute bekomme ich leider nicht mehr nur von Platz­an­wei­sern Sätze zu hören wie: "Sie müssen den Film nicht kennen, Sie müssen ja nur die Wörter dolmetschen."

Im Weißen Haus sitzt ein kulturferner ("Ich hasse Bücher"), verhaltensauffälliger Opa, der vom Politgeschäft keinen blassen Schimmer hat. Er ist die Spitze des Eis­bergs. Wieso sind Bildungsverachtung und mangelnder Professionalismus ei­gent­lich gerade so groß in Mode? Ist es eine irrationale Anbiederung an die Bildungsfernen, vor de­nen zugleich die Angst immer mehr wächst?

Liegt es daran, dass viele Kulturverwalter insgeheim davon träumen, selbst Kul­tur­schaf­fen­de zu sein, sich das aber nicht zugetraut haben und nun von untergründig wirksamen Rachegefühlen bewegt sind? Und warum wirkt sich das erst jetzt aus? Vielleicht sind diese Menschen früher viel eher von den normalen Wirt­schafts­be­trie­ben aufgesogen worden. Ganz sicher gibt es jetzt in Zeiten, in denen nur noch wenige Industriearbeitsplätze in Deutschland übriggeblieben sind, viel mehr dieser Kulturverwalter.

Menge und Hintergrund dieser Entscheider sagt nichts über ihre Richtung aus.
Die Frage ist alles andere als rhetorisch gemeint. Ich verstehe das wirklich nicht.

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Foto: C.E.