Dienstag, 12. Dezember 2017

Kühner Strich

Fortsetzung zu vorgestern, allerdings um 4.13 Uhr ...

Der Traum malt, setzt mit kühnen Pinselstrichen große Farbflächen auf die Lein­wand, die Dolmetscherin dolmetscht, sieht genauer hin, kichert und wacht auf.

"Vom Schlaf 'gezeichnet'" hab ich mir immer anders vorstellt, nämlich mit Kis­sen­mar­ken auf der Backe.

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Bild: folgt

Montag, 11. Dezember 2017

Goldnuggets

Wie Dol­met­scher und Über­set­zer ar­bei­ten, kön­nen Sie hier mit­lesen. Also wie ich als Französischdolmetscherin und -übersetzerin arbeite und lebe, aber ich glaube, ich führe ein ziemlich durchschnittliches, halbwegs aufregendes Sprach­ar­bei­te­rin­nen­le­ben. Was uns alle eint: Wir schauen den Leuten aufs Maul. In Berlin-Neukölln explodieren die Immobilienpreise. Aufgeschnappt:

"Ihr Immofuzzis glaubt wohl, dass in Neukölln jeder dahergelaufene Straßenköter Goldnuggets scheißt!“ Die Hauswartsfrau, nicht mehr ganz jung an Jahren und mit ausreichend körperlichem Aplomb versehen, droht wütend mit dem Besen, als sie zwei jüngere Männer, Anzug, Krawatte, teuere Budapester-Schuhe und viel Gel im Haar, vom Hof jagt.

Später sagt sie zu einer Nachbarin: „Die ham ausjesehen wie die Zeugen Jehovas. Ich jloob, die Sektenheinis war’n mir lieber!“

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Foto: wird nachgeliefert

Sonntag, 10. Dezember 2017

Zeichnen üben ...

Wir Dolmetscher und Übersetzer erarbeiten uns regelmäßig neue Themenfelder. Dieser Tage ist es mal wieder Kunstgeschichte. Ich habe irgendwie keine Lust nur auf Theorie. 

... und Vokabeln wie Schraffur, gepunktete Linie, Vordergrund, Hintergrund und ach so viele mehr wiederholen oder lernen, am besten mit einem kleinen On­line­kurs in Sachen Portraitzeichnen, um Handgelenk und Hirn zu lockern. Hier mein erster Versuch, mal eben so aus der "Lamäng", wie die Berliner sagen.

Bleistiftzeichnung: Mann und Mädchen
Drei, vier Regeln lernen, dann kann jede und jeder so zeichnen
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Illustration: C.E.

Samstag, 9. Dezember 2017

Film mit Dolmetscherinnen

Seit mehr als zehn Jah­ren ver­öf­fent­li­che ich hier in lo­ser Fol­ge klei­ne Mo­men­te aus dem Über­set­zer- und Dolmetscheralltag. Die Anfänge meines Berufslebens lie­gen in der Medien- und Filmarbeit. Heute bin ich auch in der Politik, für Wirt­schaft, Wissenschaft und Privatkunden tätig.

Bravo, Maria Schrader! Heute Abend wurden in Berlin die Europäischen Filmpreise verliehen. Der diesjährige Publikumspreis für den besten Europäischen Film ging an ihren Film "Vor der Morgenröte" über Stefan Zweig.

Eine winzige Kleinigkeit, unseren Berufsstand betreffend, am Rande: In diesem Film sind einige Dol­met­sche­rin­nen live und in Farbe zu sehen. Dem Vernehmen nach handelt es sich dabei nicht um Schauspielerinnen. Auch sonst ging Ma­ria Schrader, die vom Schauspiel zur Regie kam, in dieser Arbeit auffällig sen­si­bel mit Sprache um.

Maria Schrader zu ihrem Film: "Wir mussten lange darum kämpfen, diesen Film ma­chen zu dür­fen und ihn fi­nan­ziert zu bekommen, denn es hieß immer: 'Das Pub­li­kum hasst Untertitel'. Vielen Dank, Publikum, für diesen Preis!"

Filmbild: Interview
Flüsterdolmetscherinnen bei einem Interview
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Foto: X-Verleih (Screenshot)

Freitag, 8. Dezember 2017

Schwurbular

Den subjektiven Arbeitsalltag in der Dolmetscherkabine beschreibe ich hier im 11. Jahr. Vor dem Einsatz bereiten wir uns intensiv vor. Dabei sind Fach­wör­ter­lis­ten zu erstellen und Redeweisen zu beachten. Das klingt nach viel Arbeit. Aber es gibt Rettung.

Was mir diese Woche akut wieder eingefallen ist: Die Studie, nach der das Mathe­hirn im Fuß steckt. Es geht um die Korrelation, dass Menschen mit Schuh­grö­ße 29 selten gut rechnen können.

Biedermeierfräulein
Biedermeierfräulein
Ansonsten hatten wir wieder es erneut mit viel Schwur­bu­lar zu tun. Unter dem Be­griff sammele ich Schwurbelbegriffe wie "Tendenz zu", "neigt", "legt die Ver­mu­tung nahe", "die Studie erlaubt die In­ter­pre­ta­tion, dass ...". Solche Ausdrücke muss un­ser­ein­er in der Übersetzung pau­ken. Ich mag derlei nicht, aber es ist leider Be­rufs­all­tag.
Dazu sagt ein Bekannter "Konkunktivitis", weil es dann immer schön im Konjunktiv weitergeht. Ehe ich mir hier jetzt von derlei Hässlichkeiten noch eine Au­gen­ent­zün­dung hole, denke ich lachend an die Feststellung, dass Menschen, die in der Nase bohren, ihre Hände häufiger in der Nähe ihres Gesichtes haben.

Und ich erhole mir die Augen beim Betrachten eines schöner Bilder. Die Parole lautet: "Mehr Kunst!"

Am Abend sendet mir eine Nonne einen Vortragstext zu einem Künstler. Sie lässt uns an ihrem "Work in Progress" teilhaben, wird drei Fassungen senden, damit wir Zeit haben, uns vorzubereiten. Ich nenne das charmant.

Die kunstgeschichtliche Tagung nächste Woche, die letzte Konferenz des Jahres, wird frei sein von Schwur­bu­lar. Bis dahin heißt es: Das Gegenteil davon, nämlich Fachvokabular pauken. Sich weiterbilden. Die Stadt und unsere Zeit mit anderen Augen sehen.

Tipps dazu für dieses Wochenende:
Jüdisches Museum zu Berlin, Sonntag letzter Öffnungstag vor Umgestaltung der ständigen Ausstellung. Das Museum lebt ja von der Spannung zwischen Ar­chi­va­lien, den vielen Kulturzeugnissen jüdischen Lebens in Berlin, und der Architektur, die derzeit hinter den Exponaten stark in den Hintergrund tritt. Das soll nach der Neuausrichtung anders sein.
Gaslaternenweihnachtsmarkt der Vereine, Verbände und Kunsthandwerker in Rixdorf (Berlin-Neukölln).
⊗ British Pathé hat einige hundert Filme online gestellt, breit durch den Ge­mü­se­gar­ten: Filmerbe, News, bunte und vermischte Nachrichten vergangener Tage. Zu finden sind sie auf YouTube, sie stammen aus den Jahren von 1896 bis 1976 und sind thematisch sortiert. Ich bin über Claude Monet auf diese Goldmine gestoßen.

Heiner_Mueller_Denn_das_Schoene_bedeutet_das_moegliche_Ende_der_Schrecken
Von der Pinnwand

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Fotos: C.E.

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Baulärm

Ob zufällig oder absichtlich, Sie sind hier mitten in ein Arbeitstagebuch aus der Welt der Sprachen hineingeraten. Ich dolmetsche und übersetze, überwiegend aus der französischen und auch ein wenig aus der englischen Sprache. Dol­met­scher und Übersetzer haben oft empfindliche Ohren.

Berlin soll schöner werden. Jetzt wird es erstmal lauter und teurer.

Bauarbeiter fährt Schubkarre vom Baustellenaufzug weg Richtung Dachausausbau
Jeden Morgen springt 6.50 Uhr der Baustellenaufzug an
Einst, als ich noch Ra­dio­jour­na­lis­tin war, wurde mir ein­mal die fragwürdige Ehre zu­teil, von der eigenen Stim­me geweckt zu werden. (Die Erklärung des Kunststücks: Ra­dio­wecker und Pro­gramm­austausch.)

Unlängst wur­de ich von Bau­lärm in Qua­dro­pho­nie wach, was wirk­lich nicht schöner ist.

Oben bzw. im Hinterhof wird ein Dach ausgebaut, unter mir mit dicken Holzbalken ein Kinderzimmer provisorisch geteilt (die Leute haben kein Geld für größere Wohnungen, ein zusätzliches Zimmer kostet durch die Mietpreisexplosion immer gleich 1000 Euro mehr), in der Nachbarwohnung wurde der Estrich aus der Woh­nung gepresslufthämmert, da die Billigsanierung des Bades dazu geführt hatte, dass Wasser hinter die Fliesen gelaufen war und die Wand schimmlig wurde ... und im Nachbarhaus durften Bauarbeiter Löcher in die Wände reißen zur Verlegung einer Eta­gen­hei­zung.

Ohropax, du Friede meiner Lauscher, was wäre ich ohne dich? Zur Entschädigung gab es echtes, schönes, gutes Wetter mit Licht. Was wir uns in den dunklen Mo­na­ten in Berlin ja im Kalender anstreichen.

Später, im Büro, haben wir uns mit Handzeichen verständigt und das Te­le­fon­klin­geln überhört.

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Foto: C.E.

Mittwoch, 6. Dezember 2017

Museum der Wörter 19

Hallo, hier bloggt ei­ne Sprach­ar­bei­te­rin. Ich über­set­ze und dol­met­sche. Ar­beits­spra­chen: Fran­zö­sisch (aktiv und passiv) und Englisch (nur Aus­gangs­spra­che). Heute im Wörtermuseum: Etwas zur Jahreszeit.
       
                                S
tanniolpapier

   
Schokoladennikolaus im Walnussglas
Schöne Morgendeko
Was ein wackerer Schokoladennikolaus ist, trägt eine Robe aus Stanniolpapier. Ein solches Wesen hat mich heute Morgen überrascht.
Stanniol war einst hauchdünn gewalztes Material, eine Bleisilberlegierung, später wurde Zinn verwendet. Die Fo­lie wird wie heute das Aluminium zum Verpacken genutzt. Alu ist billiger, Stan­ni­ol kommt kaum noch vor. Um in der Jahreszeit zu bleiben: Lametta ist noch aus Stanniol.

Das Wort kennen heutige Youngsters nicht mehr. Ich kenne es von meinen Groß­müt­tern.

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Idee: H.F.
Foto: C.E.

Sonntag, 3. Dezember 2017

Walnüsse

Bon­jour, hel­lo, gu­ten Tag! Fran­zö­sisch­dol­met­scher und -übersetzer haben ver­mut­lich einen eigenen Blick auf die Welt, und meiner ist nochmal anders. Ich schreibe hier mein subjektives Arbeitstagebuch und werde gelegentlich auch allgemein ...

Walnüsse, Tannen- und Elchminiaturen, geschliffenes Glas
Leckere Weihnachtsdeko
Sie kommen bei uns vom Bauernmarkt oder aus dem Garten von Bekannten: Wal­nüs­se! Und was von der Form her aussieht wie ein kleines Gehirn, ist auch für das Ge­hirn besonders kostbar.

Dieses "Brainfood" enthält viele mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-3 und Omega-6), über die sich zu­dem das Herz freut.

Darüber hinaus sind Walnüsse ein Lieferant diverser Spurenelemente (Eisen, Zink, Schwefel und Magnesium), Aminosäuren (gut für die Gefäße), Mineralstoffe und B-Vitamine.

Es wird der tägliche Verzehr von einer Handvoll dieser Nüsse empfohlen, das sind etwa 30 Gramm bzw. 200 Kalorien. Hier geht es zur Nährwerttabelle.

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Foto: C.E.